OPTISCHE SENSORIK FÜR DIAGNOSTIK UND PHARMAZIE - Spektralsensoren für smarte Medizintechnik

07.10.2025 Know-How

Spektralsensoren liefern detaillierte optische Signaturen und ermöglichen somit präzise, nicht-invasive Analysen, die von der Hautanalyse über mikrofluidische Tests bis hin zur Pharmakontrolle reichen. Sie sind kompakt, energieeffizient und auch für tragbare Systeme geeignet.

Die Anforderungen an medizinische Diagnosesysteme steigen: Sie sollen präzise, portabel und möglichst nicht-invasiv sein. Für Ingenieurinnen und Ingenieure bedeutet das, optische Sensorik intelligenter zu nutzen. Spektralsensoren, insbesondere solche, die sowohl sichtbares als auch nahinfrarotes Licht erfassen können, erweisen sich dabei als zentrale Bausteine. Ein Beispiel ist der TCS3448 von ams OSRAM, der in Anwendungen von der Hautanalyse bis hin zu mikrofluidischen Diagnosesystemen zum Einsatz kommt.

 

Was Spektralsensoren leisten 

Im Gegensatz zu klassischen Farbsensoren, die Licht in den drei groben Farbkanälen Rot, Blau und Grün messen, liefern Spektralsensoren wie der TCS3448 fein aufgelöste Mehrkanaldaten. Sie erfassen die Lichtintensität über mehrere definierte Wellenlängenbereiche hinweg. Dadurch lassen sich Materialien und auch biologische Gewebe oder Flüssigkeiten anhand ihrer spezifischen spektralen Signaturen deutlich genauer charakterisieren.

In der Medizintechnik ermöglicht dies berührungslose Echtzeitanalysen, etwa zur Beurteilung von Hautveränderungen (z. B. zur Melanom-Bewertung) oder bei Teststreifen in Point-of-Care-Diagnostiksystemen. Dadurch werden invasive Verfahren reduziert und Diagnosen mobiler und patientennäher gemacht.

 

Integration und technische Eigenschaften

Der TCS3448 ist ein 14-Kanal-Spektralsensor, der den Bereich von 380 bis 1.000 nm abdeckt. Neben elf Kanälen für den sichtbaren Bereich stehen ein NIR-Kanal, ein Clear-Kanal sowie ein Flicker-Kanal zur Verfügung. Letzterer erkennt Störungen durch künstliche Beleuchtung bis 2 kHz, was für reproduzierbare Diagnosen von großer Bedeutung ist. Integrierte 16-Bit-ADCs, konfigurierbare Integrationszeiten und Verstärkungsstufen ermöglichen eine flexible Anpassung an unterschiedliche Messumgebungen.

Mit einem typischen Stromverbrauch von 280 µA im aktiven Betrieb und 5 µA im Sleep-Modus eignet sich der Sensor besonders für batteriebetriebene Systeme. Das kompakte OLGA-8-Package (3,1 × 2,0 × 1,0 mm) erleichtert die Integration auch in platzkritischen Designs. Dank CMOS-Photodioden mit präzisen Interferenzfiltern ist keine zusätzliche Optik erforderlich, wodurch sich die Baugröße reduziert und die Messgenauigkeit erhöht. Für den Einsatz in der Medizintechnik ist zudem die Einhaltung regulatorischer Anforderungen (z. B. ISO 13485, CE oder FDA) entscheidend, die durch standardisierte, nicht-invasive Messmethoden erleichtert werden.

 

Anwendungen von der Hautdiagnostik bis zur Pharmazie

Diese Eigenschaften eröffnen vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der Medizintechnik. Spektralsensoren liefern objektive und reproduzierbare Daten und das z. B. b in der Hautdiagnostik, bei mikrofluidischen Tests oder in Labor- und Pharmaanwendungen. Zudem lassen sie sich in kompakte, mobile Systeme integrieren.

Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis gehen oft mit Rötungen (Erytheme) und Pigmentveränderungen einher. Diese Anzeichen sind jedoch subjektiv schwer zu beurteilen und variieren stark. Ein Spektralsensor wie der TCS3448 ermöglicht die objektive Erfassung von Erythem- und Pigmentwerten, die Dokumentation ihres Verlaufs und die Nachvollziehbarkeit von Therapieeffekten. Dies ist besonders bei Telemedizin- oder Heimüberwachungsanwendungen von Vorteil, da so reproduzierbare Daten für digitale Patientenakten oder Apps geliefert werden. 

In Labor-auf-einem-Chip-Systemen oder Schnelltests für Infektionskrankheiten zeigt ein Farbumschlag die Anwesenheit eines Analyten an. Doch gerade bei niedrigen Konzentrationen oder wechselnden Lichtbedingungen stößt das menschliche Auge schnell an seine Grenzen. Der TCS3448 erkennt kleinste Farbveränderungen mit hoher spektraler Auflösung und eignet sich daher für portable Diagnosesysteme mit batterieeffizientem Betrieb. Auch multiplexe Assays mit überlappenden Farbsignalen lassen sich damit sicherer auswerten.

In der pharmazeutischen Industrie und Labortechnik ist die Farbe ein entscheidendes Qualitätskriterium. Abweichungen können auf Verunreinigungen, Degradationen oder Fehlformulierungen hinweisen. Der TCS3448 unterstützt eine zuverlässige und automatisierbare Farbkontrolle, beispielsweise bei Tabletten, Reagenzien oder Kulturmedien. Auch für die digitale Pathologie oder Laborautomatisierung liefert er robuste und objektive Messdaten.

Neben der Farbanalyse erfasst der Sensor auch Anteile des nahen Infrarotbereichs, wodurch einfache Fluoreszenzmessungen ermöglicht werden. Dies ist zunehmend für kompakte Point-of-Care-Geräte relevant, etwa bei Tests auf Malaria, HIV oder Eisenmangel. Der geringe Energiebedarf und die kompakte Bauform erleichtern zudem den Einsatz in tragbaren Diagnosegeräten.

 

Smarte Diagnostik mit optischen Signaturen

Mit der zunehmenden Verbreitung von Wearables und KI-gestützter Diagnostik gewinnen optische Sensorsignale weiter an Bedeutung. Entscheidend ist dabei die Qualität der Eingangsdaten: Der TCS3448 liefert spektral aufgelöste Informationen über mehrere Wellenlängenbereiche, die sich ohne aufwendige Vorverarbeitung in Machine-Learning-Modelle einspeisen lassen. Dadurch lassen sich Muster in Gewebe, Flüssigkeiten oder Oberflächen erkennen, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind.

Mögliche Einsatzszenarien reichen von intelligenten Hautpflastern zur Messung der Hydration oder Sauerstoffsättigung über kompakte Homecare-Geräte bis hin zu Smartphone-Zubehör für mobile Gesundheitschecks. Besonders in Kombination mit weiteren Sensorsignalen, z. B. Temperatur, lassen sich umfassende Gesundheitsprofile erstellen. In Kombination mit Cloud-Anbindung und KI-Algorithmen eröffnen sich so neue Möglichkeiten für die personalisierte Medizin – etwa durch kontinuierliche, nicht-invasive Messungen im Alltag. Auch im klinischen Umfeld können Spektralsensoren die digitale Pathologie oder automatisierte Laborprozesse unterstützen, indem sie reproduzierbare, objektive Daten für Diagnose und Therapie liefern.

 

Fazit

Spektralsensoren wie der TCS3448 unterstützen Entwicklerinnen und Entwickler dabei, moderne, tragbare Diagnosesysteme kontaktfrei, datengestützt und kompakt umzusetzen. Egal, ob in der Hautanalyse, bei mikrofluidischen Testsystemen oder in der pharmazeutischen Qualitätssicherung: Sie liefern präzise Daten bei geringem Integrationsaufwand und damit eine wichtige Grundlage für die nächste Generation smarter Diagnosesysteme. 

 


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Bild 1: Der TCS3448 ermöglicht eine zuverlässige Farbkontrolle bei Tabletten und unterstützt damit die Qualitätssicherung in der pharmazeutischen Produktion. (Bilder: ams OSRAM)

Bild x Typische spektrale Empfindlichkeit der 14 Sensoren auf dem Chip

Bild x Blockdiagramm mit externer Beschaltung

Bild x Multi-Sensor Array on Chip deckt einen spektralen Bereich von 380nm bis 900nm

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