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Was uns bewegt - Gesundheit zum Anziehen

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Tragen Sie eine Smartwatch oder einen Fitnesstracker? Falls ja, gehören Sie zur stetig wachsenden Gruppe der Menschen, die Wearables aktiv nutzen: 2018 wird es weltweit 593 Millionen vernetzte Wearables geben, der Löwenanteil davon entfällt auf Smartwatches, die etwas mehr als die Hälfte davon ausmachen. Weitere 39 Prozent sind Gesundheits- und Fitnesstracker, drei Prozent Handgelenk-Sportcomputer und sieben Prozent sonstige Geräte. Dabei haben die Smartwatches den Fitnesstrackern innerhalb der letzten vier Jahre gehörig den Rang abgelaufen:

2014 lag der Marktanteil der Sporttracker bei 74, der der Uhren bei 13 Prozent. Entsprechend lukrativ ist das Geschäft mit den Kleinstgeräten für große Hersteller wie Apple und Samsung. 2016 wurden Wearables im Wert von 104,3 Millionen Euro verkauft, 2017 waren es 125,5 Millionen – ein Plus von über 20 Prozent. Für 2018 sagen Analysten ein Wachstum um weitere 25 Prozent voraus.

Wearables sind also kein Hype und entsprechend auch nicht so unnütz wie Fidget Spinner – sie bieten ganz konkrete Vorteile: Wer von sich aus seinen täglichen Kalorienverbrauch, seinen Puls und damit letztlich seine Gesundheit überwacht, lebt gesünder. Das freut Ärzte und Krankenkassen, weil ein bewussterer Umgang mit dem Körper Kosten spart. Dabei hat die große Nachfrage nach Wearables im Freizeitbereich die technologische Innovation rasant vorangetrieben und den Weg für die medizinische Nutzung geebnet. Laut Prognosen wird die Anzahl der vernetzten Kleinstgeräte von 22 Millionen im Jahr 2016 auf 94 Millionen im Jahr 2022 ansteigen

Wearables kommen in allen Phasen der medizinischen Versorgung, also von Prävention über ambulante und stationäre Behandlung bis hin zur Rehabilitation zum Einsatz. Dabei ermöglichen die smarten Geräte eine präzisere Diagnose, eine bessere Überwachung der Vitalwerte sowie eine genauestens abgestimmte Medikation. Über ein intelligentes Pflaster lässt sich beispielsweise der Blutzuckerspiegel messen oder ein Medikament in der korrekten Dosis verabreichen. Mit einem Sensor in Tablettenform können Ärzte außerdem überwachen, ob und wann ihr Patient die verschriebenen Medikamente einnimmt. Entsprechend weiß der Mediziner nun genau, ob eine Therapie wegen falscher Behandlung oder wegen falscher oder nicht erfolgter Einnahme der Medikamente nicht erfolgreich war. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Asthma helfen Wearables, indem sie dem behandelnden Arzt Daten liefern können, die er auf konventionellem Wege nicht in dieser Fülle bekäme.

Darüber hinaus bieten Wearables auch Erleichterungen für chronisch Kranke und Menschen, die temporär oder dauerhaft in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sind, wie etwa Schlaganfallpatienten. Es gibt zum Beispiel einen Trainingshandschuh, der über Bewegungssensoren und robotische Unterstützung die Bewegungsimpulse des Patienten verstärkt. Exoskelette, die gelähmten Patienten die Fähigkeit geben, wieder zu laufen, sind ebenfalls bereits in der Erprobung.

Bei all den Wohltaten, die Wearables also in Zukunft für Patienten ermöglichen, gibt es jedoch auch Nachteile – vor allen Dingen die Frage, wer die erhobenen Daten nutzen darf. Schon jetzt sind Systeme, die einige Krankenkassen nutzen, und die Patienten für bestimmte gesundheitsfördernde Verhaltensweisen belohnen, höchst umstritten. Und wenn das smarte Pflaster beispielsweise misst, wie oft ein Patient sich ein Glas Rotwein genehmigt oder eine Zigarette ansteckt – darf die Krankenkasse das wissen und eventuell entsprechend den Beitragssatz anpassen? Ein solches Bestrafungssystem erzieht zwar zwangsläufig zu gesünderem Lebenswandel und entlastet damit die Solidargemeinschaft – aber gleichzeitig schränkt es die individuelle Freiheit des Menschen massiv ein. Aus diesem Grund gibt es hohe gesetzliche Hürden, die die uneingeschränkte Verwendung solcher höchst persönlicher Daten verbieten.

Nichtsdestoweniger ist die Innovationslust ungebremst, eben weil die Nachfrage nach medizinischen Wearables vonseiten der Ärzteschaft riesig ist: Zertifizierte Geräte, die die Datenschutzrichtlinien einhalten und gleichzeitig ermöglichen, Daten über die Cloud vom Allgemein- zum Facharzt oder zum Krankenhaus zu übertragen, sind ebenso gefragt wie konsequente Weiterentwicklungen bereits bestehender, aber klobiger Wearables: So können Sensoren für die Langzeit-EKG-Messung künftig in Kleidung eingenäht oder als Pflaster auf der Haut getragen werden – und so die Vitaldaten dauerhaft überwacht werden. Ein Segen, gerade in Regionen, in denen Ärztemangel herrscht: Gefährliche Situationen für den Patienten können damit ohne weite Anreise zur Praxis frühzeitig erkannt und abgewendet werden.

Oh, und nicht zuletzt erspart es das stundenlange Rumsitzen im Wartezimmer. Allein schon deshalb freuen wir uns auf nächsten Innovationen im Bereich der medizintechnischen Wearables.