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Von Butterkeksen und anderen Berühmtheiten

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Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover steht nicht in dem Ruf, eine It-Location zu sein. Dabei ist ihre Geschichte alles andere als langweilig: Von der Zeit Heinrichs des Löwen über die Erhebung zum Königshaus bis zur Expo 2000 und einem – zumindest derzeit – wenig erfolgreichen Bundesligaverein hat Hannover einiges zu bieten.

Gegründet wurde Hannover im 12. Jahrhundert als Marktort durch Hildebold von Rhoden, 1150 wurde der Name "Hanovere" erstmals erwähnt. Die Bedeutung des Namens und seine Herkunft sind umstritten; allgemein wird angenommen, der Name bedeute "hohes Ufer". 1142 wurde der Welfe Heinrich der Löwe mit dem Herzogtum Sachsen Sachsen belehnt. Er ließ Hannover ausbauen und befestigen. 1241 erhielt Hannover das Stadtprivileg, 1371 das "Große Privileg" mit weitgehenden Rechten, darunter Zoll-, Mühlen- und Befestigungsrechten. Damit begann die erste wirtschaftliche Blüte der Stadt. Hannover trat der Hanse bei und die ansässigen Händler exportierten Leinwand, handelten mit Flandern, Nowgorod, Norwegen und Südschweden. 1636 wurde Hannover zur Residenzstadt der Welfen und nach dem Wiener Kongress 1815 zum Königtum.

Die wachsende Bedeutung der Stadt zog auch berühmte Persönlichkeiten an, darunter den in Leipzig geborenen Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz, Namensgeber des berühmtesten deutschen Kekses. Er wurde 1676 Hofrat und Leiter der Bibliothek der Stadt und lebte bis zu seinem Tod in Hannover. Nach ihm wurden 2005 die Landesbibliothek und 2006 die Universität benannt - ein weit größeres Denkmal setzte ihm aber der Unternehmer Hermann Bahlsen: Der hatte nach seiner kaufmännischen Ausbildung in London gearbeitet und dort die britische Spezialität "Cakes" entdeckt, die er nach seiner Rückkehr zu vermarkten begann.

Anders als seine Konkurrenten verkaufte er seine Buttercakes ab 1893 nicht lose, sondern in Tüten und warb mit einem Leibniz-Zitat für sein Produkt, was den Umsatz innerhalb kürzester Zeit erheblich steigerte. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs beschäftigte die Bahlsen-Keksfabrik bereits 1.700 Mitarbeiter. Dem berühmten Leibniz-Keks zu Ehren schuf der Bildhauer Georg Herting einen vergoldeten, rund 20 Kilo schweren Keks aus Messing, der Anfang 2013 von bis heute unbekannten Tätern gestohlen wurde. Als Bahlsen anbot, 52.000 Kekspackungen an 52 soziale Einrichtungen zu spenden, tauchte der Goldkeks an der Statue des Niedersachsenrosses vor der Leibniz-Universität unbeschadet wieder auf.

Inwieweit Bahlsen dazu beigetragen hat, dass Hannover als Kiosk-Hauptstadt Deutschlands gilt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen - aber neben diesem inoffiziellen Titel hält die Stadt noch einige andere bemerkenswerte Rekorde: Am Hohen Ufer gibt es seit 1967 den ältesten Flohmarkt der Bundesrepublik, der nach Pariser Vorbild geschaffen wurde. Mit dem 640 Hektar großen Stadtwald Eilenriede verfügt die niedersächsische Landeshauptstadt überdies über den größten innerstädtischen Wald des Landes inklusive Waldstation und Aussichtsturm. Maßstäbe setzt die Stadt auch bei ihrem Schützenfest, dessen Tradition sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen lässt: Es gilt als das größte Schützenfest der Welt. Ebenfalls weltweit an der Spitze: Das Messegelände Hannover, das mit einer überdachten Fläche von 496.000 Quadratmetern und 26 Messehallen das größte Messegelände der Welt ist. Hier finden jährlich bedeutende Messen wie die Agritechnica oder - für uns bei Rutronik24 wichtiger - die Hannover Messe statt.

Apropos Messen: Hannover war im Jahr 2000 außerdem als erste und bislang einzige deutsche Stadt Ausrichterin der Weltausstellung Expo. Unter dem Motto "Mensch, Natur und Technik - eine neue Welt entsteht" beteiligten sich auf rund 160 Hektar Fläche 155 Nationen von 1. Juni bis 31. Oktober auf dem Messegelände Hannover an der Ausstellung. Während der Expo sorgte ein gebürtiger Hannoveraner außerdem für einen handfesten Eklat: Prinz Ernst August von Hannover, Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., erleichterte sich während der Weltausstellung am türkischen Pavillion - ein gefundenes Fressen für den Boulevard.

Für deutlich positivere Schlagzeilen sorgte eine andere gebürtige Hannoveranerin: 2010 gewann Lena Meyer-Landrut mit "Satellite" als zweite Deutsche nach Nicole 1982 den Eurovision Song Contest. Weitere berühmte Söhne und Töchter der Stadt sind die Regisseurin Doris Dörrie, Cartoonist Uli Stein, Fußball-Weltmeister Per Mertesacker, Scorpions-Frontsänger Klaus Meine und Comedian Oliver Pocher, diesjähriger Teilnehmer der RTL-Tanzshow "Let's Dance".

Wer jetzt Lust hat, Hannover einen Besuch abzustatten, dem möchten wir wie gewohnt einige besondere Vorschläge ans Herz legen:

Restaurant: Taj Mahal (www.tajmahal.de/)
Wie der Name schon andeutet, handelt es sich beim "Taj Mahal) um ein Restaurant, das indische Spezialitäten wie Lamb Madras (Lammfleischwürfel in roter Curry-Kokosnuss-Sauce Madras), Navratten Curry (verschiedene Gemüsesorten in Madras-Curry-Sauce mit Pflaumen, Aprikosen, Rosinen, Cashew-Kernen und Mandel) und mehr anbietet. Die Atmosphäre vermittelt ebenso wie die Küche indisches Flair.

Restaurant: AbendMahl (www.abendmahl-hannover.de)
Anders als beim "Taj Mahal" deutet der Name nicht zwangsläufig auf die hier servierten Speisen hin. Im "AbendMahl" erwartet Sie klassische italienische Pasta- und Fischspezialitäten, aber auch die Rindersteaks sind empfehlenswert. Ein Geheimtipp ist das "Vitello Pavarotti" - Kalbsschnitzelstreifen in Balsamicosauce auf Rucolasalat, Parmesan und frischen Tomaten. Das italienische Flair der Einrichtung wird durch das Michelangelo-Gemälde "Die Beseelung Adams" noch unterstrichen.

Restaurant: Mimi's Thai Kitchen (www.mimis-thaikitchen.de)
Modernes Flair gepaart mit Nachhaltigkeit (100 Prozent biologisch abbaubare Verpackungen für das Essen außer Haus) und authentischen thailändischen Gerichten ohne Geschmacksverstärker und sonstige Zusatzstoffe verspricht "Mimi's Thai Kitchen": Von Frühlingsrollen und unterschiedlichen Suppen zur Vorspeise über traditionelle Curry-, Reis-, Nudel und Fischgerichte als Hauptgang bis hin zu süßem Reis und Bananenpfannkuchen zum Nachtisch ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Bar: Falkners (http://falkners-hannover.de)
Eine nette, übersichtliche Bar mit viel Stadtteil-Charme findet man im "Falkners" zwischen Bonifatiusplatz und Markuskirche. Das "Falkners" bietet eine reiche Auswahl an Cocktails, Longdrinks und Whiskeys sowie eine kleine, aber feine Auswahl an Speisen. Besonders zu empfehlen ist der "Moscow Mule", ein Cocktail aus Wodka, Limettensaft und Ginger Beer - genau das Richtige nach einem langen Arbeitstag.

Bar: Oscar's (www.oscarsbar.de)
Turmhohe Regale gefüllt mit einer schier unfassbaren Anzahl an verschiedenen Spirituosen, das alles in einem derart klassischen Cocktailbar-Ambiente, dass es fast schon klischeehaft wirkt: Das "Oscar's" zählt zu den besten Bars der Stadt und lässt in Sachen Getränke keine Wünsche offen. Neben der Möglichkeit zu einem Absacker in stilvoller Atmosphäre gibt es auch die Möglichkeit, sich bei Tastings einen Überblick über die breite Palette an Single Malt Whiskeys zu verschaffen.

Hotel: Kokenhof (www.kokenhof.com)
Tradition trifft Moderne: Der Kokenhof, rund 20 Kilometer außerhalb der Stadt gelegen, befindet sich in einem restaurierten Fachwerkhaus mit modernem Interieur. Die Entfernung zu Hannover sorgt für Ruhe und Abgeschiedenheit, gleichzeitig ist der Kokenhof dank der Lage an der A7 und eines nahegelegenen S-Bahn-Anschlusses sehr gut angebunden. Das Vier-Sterne-Hotel befindet sich übrigens in Besitz der Familie Kind, bekannt für die gleichnamigen Hörgeräte.

Hotspot: Lister Meile
Die 1,6 Kilometer lange Lister Meile wurde in den 1970er Jahren eingerichtet und bietet sowohl zahlreiche Shoppinggelegenheiten als auch die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und an einem der vielen Brunnen einfach die Seele baumeln zu lassen. Die Lister Meile beginnt im Stadtteil Mitte am Ernst-August-Platz, passiert den Weißekreuzplatz und führt nahe am Welfenplatz vorbei zu ihrem Ende am Lister Platz.

Hotspot: Limmerstraße
Shoppen kann man auch entlang der Limmerstraße, die auf eine lange Geschichte zurückblickt. Sie entstand auf einer historischen Landstraße, die vom alten Dorf Linden zum Nachbardorf Limmer führte. In einem Hinterhof an der Limmerstraße befindet sich das 1908 gegründete Apollokino, das älteste Vorstadtkino und eines der letzten Stadtteilkinos in Deutschland. Abends verwandelt sich die Straße in eine Partymeile: Seit Beginn der 2010er Jahre entwickelte sich unter Jugendlichen der Trend, nachts auf der Straße Bier zu trinken und zu feiern - auch "limmern" genannt.