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Spargel von glücklichen Drohnen

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Bauer Karl-Heinz sitzt am Frühstückstisch. Vor ihm steht eine Tasse starken Kaffees, denn vor dem ersten Kaffee ist Karl-Heinz einfach nicht er selbst. In den Händen hält er ein Tablet und tippt und wischt darauf hin und her. Daraufhin heben draußen mit leisem Sirren drei Drohnen ab und steigen in den Himmel auf, der aufgehenden Sonne entgegen. Sie überwachen Karl-Heinz‘ Felder und melden mögliche Gefahren oder bedenkliche Veränderungen direkt an sein Tablet. Gleichzeitig rollen voll vernetzte Roboter hinaus auf die Felder, um die täglichen Aufgaben abzuarbeiten: Saat ausbringen, Unkraut jäten, Schädlinge bekämpfen.

Karl-Heinz lässt die Fingerknöchel knacken. Gleich wird er sich ebenfalls auf die Felder begeben. Doch da leuchtet eine Warnung auf: "Verbindung verloren" schreit ihm sein Tablet entgegen. Draußen bleiben die Roboter stehen. Die Drohnen sinken zu Boden. "Verdammtes Datennetz", flucht Karl-Heinz. Landwirtschaft 4.0 könnte so schön sein´, wären da nicht die weißen Flecken auf der Deutschlandkarte, wo mobile Datennetze gar nicht oder nur stark eingeschränkt zur Verfügung stehen. Bauern wie unser fiktiver Beispiel-Landwirt Karl-Heinz jedenfalls würden Bundes-Forschungsministerin Anja Karliczek widersprechen. Sie hatte Ende vergangenen Jahres flapsig davon gesprochen, dass 5G nicht an jeder Milchkanne nötig sei - denn genau das bietet der Landwirtschaft erhebliche Vorteile.

Senthold Asseng und Frank Asche von der University of Florida prognostizieren jedenfalls im Fachblatt Sciene Robotics, dass der Landwirt, der mit seinem Traktor über die Felder tuckert, eine vom Aussterben bedrohte Art sein wird. Die Zukunft gehört - wie übrigens auch auf dem weit stärker beachteten Feld von Industrie 4.0 - Robotern, Drohnen, Sensoren und Kameras. Das Szenario der beiden Agrarforscher erwartet also, dass Roboter künftig Unkraut jäten, Pestizide sprühen oder die Ernte einholen. Sensoren übertragen Live-Daten zu Temperatur, Feuchtigkeit, pH-Wert und Nährstoffgehalt im Boden. Ihre Daten werden ergänzt durch Drohnen und Satelliten, die mit Kameras und Messtechnik bestückt sind und so Daten zu möglicherweise gefährdeten Zonen auf dem Acker liefern.

Die so gesammelten Daten laufen dann in einem zentralen System zusammen, das Bauer Karl-Heinz auf deren Basis mögliche Handlungsempfehlungen gibt oder die Schwierigkeiten gleich selbst angeht. Die Technologie dazu ist vorhanden, es bedarf nur einer Vernetzung der einzelnen Komponenten zu einem System - und natürlich der nötigen Mobilfunktechnik. Insbesondere hier liegt noch ein großer Stolperstein für Landwirtschaft 4.0, denn die Netzabdeckung darf nicht dafür sorgen, dass einige Bauern Standortnachteile haben, weil sie in Regionen mit schlechtem Netzausbau arbeiten, wie das derzeit beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern der Fall ist.

Die Bundesnetzagentur schreibt den Bietern im Versteigerungsverfahren der 5G-Lizenzen zwar vor, dass sie bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland, alle Autobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen sowie die wichtigsten Schienenwege mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgen müssen - aber diese Zahl lässt sich auch ohne Landwirtschaftsbetriebe problemlos erreichen. Denkbar, dass einige weiße Flecken aus dem gleichen Grund fortbestehen werden, aus dem es sie überhaupt gibt: Dort Funkmasten aufzustellen, lohnt sich für die Netzbetreiber nicht. 5G erreicht in diesen Fällen dann nicht einmal den Wohnsitz - von der Milchkanne ganz zu schweigen.

Dennoch: Das Konzept der vernetzten Landwirtschaft ist verheißungsvoll. Einerseits, weil Drohnen und Roboter gegenüber den tonnenschweren Landmaschinen deutlich bodenschonender operieren, was das Pflanzenwachstum fördert. Zweitens können sie rund um die Uhr eingesetzt werden. Drittens kann die Aussaat deutlich gezielter auf die lokal oft schwankenden Bedingungen abgestimmt werden, Äcker werden kleinteiliger und trotzdem effizienter zu bewirtschaften. Und zu guter Letzt sorgt die automatisierte Dokumentation aller Abläufe dafür, dass sich die Lieferkette vom Acker bis zum Teller nahtlos verfolgen lässt.

Die Forscher aus Florida schätzen, dass in den nächsten vier bis fünf Jahren die ersten Bauern den Großteil der genannten Techniken einsetzen können. Wir bei Rutronik24 sind in jedem Fall gespannt darauf und freuen uns, künftig statt Milch von glücklichen Kühen zu trinken Spargel von glücklichen Drohnen zu essen.