Rutronik News

Regnet’s an Sankt Dionys, wird der Winter nass gewiss!

  Newsletter Article

„Mistwetter!“ Wie oft haben Sie das in den letzten Tagen und Wochen gedacht? Der Sommer war eher verhalten, der September hat uns meistenteils mit grauen, regnerischen Tagen und dem einen oder anderen Unwetter gepeinigt. Schlechtes Wetter schlägt aufs Gemüt und sorgt dafür, dass sich selbst ein Freitag bisweilen wie ein Montag anfühlt. Umso mehr, je weniger die Vorhersagen der Wetterfrösche zutreffen: Wer sich auf einen warmen Herbsttag freut und mit Platzregen begrüßt wird, dessen Stimmung geht in den gleichen Keller, in den die Temperaturen gefallen sind. Und schuld? Schuld sind die Meteorologen – oder, wie es die Band B*Witched in den 90ern sang: „Blame it on the weatherman.“

Seit Anbeginn der Zeit hadern Menschen mit dem Wetter. Sie kämpfen dagegen an, versuchen es vorherzusagen und zu beherrschen – und scheitern bis heute. In der Steinzeit beeinflusste das Wetter den Jagderfolg. In der Antike betete man zu den jeweiligen Donnergottheiten, wie Thor oder Taranis, sie mögen doch für günstiges Wetter sorgen, damit die Ernte reich aus- und der Gegner in der Schlacht schnell fällt. Sie baten Seher, Auguren und Orakel und opferten für eine günstige Vorhersage viel Zeit, Nerven – und die eine oder andere Jungfrau. Genutzt hat das freilich: nichts. Während des ersten punischen Krieges sanken nach der Seeschlacht bei Kap Bon 300 von 370 Schiffen der römischen Flotte in einem verheerenden Sturm. 100.000 Soldaten ertranken. Im Mittelalter war Gott kaum gnädiger: Aufgrund der lausigen Witterung mit langen Wintern und Sommern mit viel Regen herrschte in Europa von 1437 bis 1440 Hungersnot.

Erst während der Renaissance begann die Erkenntnis zu reifen, dass nicht Gott, sondern die Natur selbst das Wetter beeinflusste. 1508 wurden so genannte Bauernregeln – meist in Reimform gefasste Volkssprüche - im Buch „Bauernpraktik“ erstmals niedergeschrieben. Sie sollten helfen, das Wetter einigermaßen vorherzusagen. Die in der Überschrift zitierte Regel „Regnet’s an Sankt Dionys, wird der Winter nass gewiss“ bezieht sich auf Dionysus von Paris und seinen Gedenktag am 9. Oktober. Wir dürfen also gespannt sein, ob sich diese Bauernregel bewahrheitet – wobei die Präzision der Regeln durch den Wechsel zum gregorianischen Kalender stark gelitten hat.

1592 entwickelte Galileo Galilei dann das erste Thermometer, 1762 gründeten Benediktinermönche in einem Kloster in Österreich die erste Wetterstation. Heute knobelt ein CrayXC40-Supercomputer in Offenbach am Main für den Deutschen Wetterdienst die aktuelle Wettervorhersage aus. Doch trotz eines eng gewobenen Datennetzes – alle 2,8 Kilometer gibt es in Deutschland einen Knotenpunkt, der zur Vorhersage dient – lässt sich das Wetter nicht mit hundertprozentiger Gewissheit vorhersagen.

Beispiele begegnen uns mit schöner Regelmäßigkeit: Im September hatte die App „Katwarn“ für das Headquarter in Ispringen eine Warnung vor starkem Unwetter ausgegeben. Also: Fenster zu, Heizung an – und hoffen, dass sich das Gewitter bis zum Feierabend verzogen hat. Passiert ist übrigens nichts: Außer ein paar müden Regentropfen und leichtem Wind war nichts zu spüren von Wetterkapriolen. Selbst die Dachdecker auf dem Dach gegenüber konnten seelenruhig weiterarbeiten. Zum Glück – und besser so als umgekehrt.

Eine hochpräzise Vorhersage gibt es also nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben. Egal, wie engmaschig Forscher das Netz der Datenerfassung weben – selbst kleinste Änderungen können für Chaos sorgen: Das ist der so genannte Schmetterlingseffekt, den der Meteorologe Edward N. Lorenz 1972 beschrieb.

Wir können also das Wetter nicht präzise vorhersagen. Und ändern können wir es schon gar nicht, auch wenn wir das gerne würden. Gut: Die chinesische Regierung sorgte mit Silberiodid dafür, dass keine Regenwolken die Olympischen Spiele in Peking störten. Idiotensicher ist die Methode allerdings nicht – als Gegenmaßnahme gegen eine längere Dürre wollte Peking gezielt Regengüsse über einem bestimmten Gebiet erzeugen. Resultat: Ein Schneesturm, der in der Hauptstadt Verkehrschaos auslöste.

In begrenztem Umfang kann der Mensch also eingreifen. Aber das Weltwetter beeinflussen? Indirekt über den Klimawandel – ja, leider. Aber nicht auf Knopfdruck. Und das ist gut so. Denn nur weil wir Bürohengste im September schon bibbern und uns sonnige 25 Grad zurückwünschen, sieht es in der Landwirtschaft beispielsweise schon ganz anders aus.

Und nicht zu vergessen: Das Wetter ist doch immer ein unverfängliches Thema beim Smalltalk. Worüber sollen wir uns sonst unterhalten? Politik? Lieber nicht! Dann doch lieber einen grauen September!