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Digital Detox mit Hilfe des Smartphones?

Erstellt von Leonie Pouw |   Newsletter Article

Es vibriert, es blinkt, es klingelt.

Wir sind online, verfassen Tweets, sind Up-To-Date, machen Selfies und haben die neusten Nachrichten binnen weniger Sekunden auf unserem Smartphone.

Im Schnitt lassen wir uns etwa alle 20 Minuten von unserem Smartphone ablenken und verbringen etwa zweieinhalb Stunden pro Tag mit unserem kleinen Freund und Helfer. Die ständige Erreichbarkeit, der damit einhergehende Druck und die Schnelllebigkeit der Gesellschaft haben uns in eine Art digitale Abhängigkeit geführt und ziehen sich in Zeiten von Facebook, Twitter und Co. längst durch alle Generationen. Während im Jahr 2009 nur etwa 6,7 Millionen Deutsche ein Smartphone besaßen, sind es 2019 bereits 57 Millionen. Mobile Endgeräte haben sich durchgesetzt. Sie werden als unser Freund und Helfer bezeichnet, können aber auch Fluch und Segen sein. Wenn man verschiedenen Studien Glauben schenkt, benutzen wir Deutschen unsere Smartphones bis zu drei Stunden täglich, junge Menschen etwas mehr als ältere.

Bisher sah sich jeder Einzelne in der Verantwortung, das Smartphone beiseite zu legen.
Doch ausgerechnet einer der erfolgreichsten Apphersteller will uns Nutzer nun dabei unterstützen: Google. Wie sich das Ganze nennt? Die „Digital-Wellbeing-Funktion“. Der Internetriese hat selbst fünf Funktionen entwickelt und für seine eigenen Smartphones programmiert, die Nutzern helfen sollen, ihr Smartphone öfter mal zur Seite zu legen. So gibt es in den neuen Versionen der Google Smartphones beispielsweise Funktionen wie „Unlock Clock“, in der angezeigt wird, wie oft man das Smartphone entsperrt, die „Post Box“, die Ablenkung durch Mitteilungen minimieren soll und die „Desert Island“ App, die lediglich den Zugriff auf die persönlich wichtigsten Apps zulässt. Weiter gibt es „We Flip“ für Gruppen, die gemeinsam ihre Smartphonenutzung einschränken wollen und die Funktion „Morph“, mit der Nutzer den Zugriff auf ihre installierten Apps einschränken können. Google möchte damit außerdem andere Smartphonehersteller dazu auffordern, ihren Nutzern ähnliche Plattformen zu bieten, mit denen sie ihr Onlineverhalten kontrollieren können. Ob das, vor allem bei jungen Menschen, zu einer Reduktion des Smartphonegebrauchs führt, bleibt zu bezweifeln.

Forscher warnen sogar vor einer Art Sucht oder Abhängigkeit, wenn wir das Smartphone nicht regelmäßig weglegen und uns mit anderen Dingen beschäftigen. Wenn man den Suchtgedanken weiterentwickelt, stößt man bei der Recherche auf den Term „Digitaler Burnout“.

Dabei gibt es einige recht einfache Methoden, Digital Detox zu betreiben, ohne dazu die Hilfe des Smartphones in Anspruch zu nehmen. So kann man beispielsweise praktische Dienste, die wir an unserem Smartphone schätzen, auslagern. Besitzen Sie zum Beispiel noch einen analogen Wecker oder eine Armbanduhr? Des Weiteren kann jeder von uns alle Apps, die man nur zur Bekämpfung hin und wieder aufkommender Langeweile benutzt, löschen oder auslagern. Oder benutzen Sie etwa alle Shopping- und Lifestyle Apps täglich zum Arbeiten? Viel Informationsbeschaffung kann zum Beispiel auch über den herkömmlichen Browser erfolgen. Die wohl schwierigste und herausforderndste Form des Digital Detox ist das Nichtbenutzen von Sozialen Medien. Wie oft sehen wir uns auf Facebook süße Katzenvideos an, auf Instagram wischen wir schnell mal eben durch alle Stories durch, auf Whatsapp erzählen wir unseren Freunden von den neusten Ereignissen, dem neusten Gossip und schicken ständig Fotos hin und her. Liebe Smartphonebesitzer/innen - Wann haben Sie das letzte Mal jemanden angerufen, statt eine Sprachnachricht zu schicken? 

Jeder Mensch, der selbst den Eindruck hat, dass er zu viel Zeit an seinem Smartphone verbringt, weiß das in der Regel. Sicherlich können die Digital Wellness- Features von Google dabei helfen, sich selbst zu ermahnen und hoffentlich schockiert darüber zu sein, wie viel Zeit man schlussendlich mit seinem Smartphone verbringt. Doch wir sind alle dazu angehalten, auf uns selbst zu schauen und einen Ausgleich zur Benutzung des Smartphones zu schaffen. Was verschenken Sie zu Weihnachten? Ein Smartphone oder etwa eine Smartwatch? Wie wäre es mit einem Erlebnisgutschein für ein Wochenende zu zweit oder einer Einladung zu einem schicken Abendessen?

Was haben wir nur in einer Zeit ohne Smartphones mit uns angefangen? Richtig – wir haben uns über das Festnetztelefon verabredet, sind Reisen gewesen ohne Fotos zu machen, haben Bahntickets am Automaten gekauft, haben Postkarten verschickt, sind zur Bank gegangen um Geld zu senden, haben ferngesehen. Das Smartphone ist aus der heutigen digitalisierten Gesellschaft nicht wegzudenken. Wir sollten uns aber weiterhin darauf besinnen, dass das Smartphone in unserem Privatleben ein KANN ist und kein MUSS.

Digital detox with the aid of the smartphone?
Digital Detox mit Hilfe des Smartphones?