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Die Wiege der Vererbungslehre

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Im Südosten Tschechiens liegt die ehemalige Königsstadt von Mähren, Brünn. Mit heute rund 380.000 Einwohnern ist sie nach der Hauptstadt Prag die zweitgrößte Stadt des Landes und ein starkes Industrie-, Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum. Auf dem Messegelände Brünn finden alljährlich mehrere für die tschechische Wirtschaft bedeutende Messen statt.

Dabei ist Brünn (tschechisch: Brno) eine vergleichsweise junge Stadt: Erst Ende des 11. Jahrhunderts wurde die Siedlung erstmals erwähnt, legte aber eine rasante Karriere hin. 1243 machte König Wenzel I. zur Königsstadt von Böhmen, ab 1349 wurde die Stadt Sitz der Markgrafen von Mähren und ab 1641 statt Olmütz Hauptstadt von Mähren. Damit kam Brünn im Dreißigjährigen Krieg strategische Bedeutung zu und wenig überraschend wurde die Stadt 1643 und 1645 von schwedischen Truppen belagert. Die zweite Belagerung ist auch der Grund, warum die Kirchenglocken der Peter-und-Paul-Kathedrale bis heute um 11 statt um 12 Uhr zum Mittagsgeläut ansetzen: Der Sage nach hatten die Schweden eingewilligt, die Belagerung abzubrechen, wenn es ihnen nicht gelänge, Brünn bis zum Mittag des 12. August 1645 einzunehmen. Die listigen Verteidiger stellten die Uhren der Kathedrale also kurzerhand um eine Stunde vor - und die Schweden zogen unverrichteter Dinge wieder ab.

Ein Bestandteil der Befestigungen war dabei das Rathaus der Stadt, das allerdings nicht für diese Rolle, sondern für etwas ganz anderes berühmt ist: Einer der Türme an der dekorativen Fassade des Rathauses ist schief. Der Legende nach hat sich der Architekt des Gebäudes, Anton Pilgram, auf diese Weise am Stadtrat gerächt, der ihn um seinen Lohn betrogen hatte. Andere wiederum behaupten, dass er schlicht betrunken gewesen war - durchaus auch eine Möglichkeit. Jedenfalls blieben die Schweden bei ihrer Belagerung ähnlich erfolglos wie die Preußen ein knappes Jahrhundert später, 1742.

Unterhalb des "Schiefen Turms von Brünn" befindet sich ein Durchgang, in dem ein Krokodil von der Decke hängt - könnte man als Laie vermuten. In Wahrheit handelt es sich natürlich um den berühmten Drachen von Brünn. In den frühen Jahren der Stadt terrorisierte das Ungeheuer Bevölkerung und Tiere, bis ein Metzger auf die idee kam, einen Fellsack mit Kalk zu füllen. Nachdem der Drache den Sack verschlungen hatte, wurde er so durstig, dass er sich zu Tode trank. Die Bewohner Brünns feierten den Sieg, indem sie den Drachen ausstopften und unterhalb des Rathausgebäudes an die Decke hingen. Es bleibt zu hoffen, dass der Drache nicht - wie einige seiner mythologischen Vorbilder - plötzlich zum Leben erwacht und erneut beginnt, Angst und Schrecken zu verbreiten.

Ob Gregor Mendel, der Vater der Vererbungslehre, vom Drachen zu seinen Forschungen inspiriert wurde, ist nicht überliefert. Der Augustinerpriester verbrachte jedoch den größten Teil seines Lebens in Brünn und führte im Garten der Abtei Sankt Thomas seine Experimente an Erbsenpflanzen durch, die schließlich in den Mendelschen Regeln mündete, die wir in der Schule alle in Bio lernen mussten. Die Mönchskollegen der Kapuziner hingegen, die ebenfalls in Brünn vertreten waren, revolutionierten zwar nicht die Genetik, aber immerhin trugen sie durch die Mumien in ihrer Krypta, die seit dem 18. Jahrhundert dort herumliegen dazu bei, Brünn einen leichten ägyptischen Touch zu verleihen.

Natürlich verfügt Brünn nicht nur über eine reiche Historie, sondern hat auch heute noch einiges zu bieten. Freunden des Motorsports ist die tschechische Stadt schon lange ein Begriff, denn seit 1930 finden auf der Masaryk-Rennstrecke Wettkämpfe statt. Zu Beginn noch auf Kopfsteinpflaster - entsprechend gefährlich war der Kurs - später dann zunächst auf Asphalt und seit 1987 auf einer eigens für Motorradsport umgebauten Strecke. Der Moto GP gastiert jedes Jahr im August in Brünn.

Wer dagegen mehr auf Fantasy-Atmosphäre steht, sollte sich den Mazocha - genannt "Stiefmutterschlucht" ansehen, der knapp eine halbe Stunde nördlich von Brünn liegt. Seinen volkstümlichen Namen hat der durch den Einsturz eines großen Höhlendoms entstandene Abgrund durch die Legende, wonach eine Stiefmutter ihren Stiefsohn zur Beerensuche in den Wald schickte, um ihn zugunsten ihres eigenen Sohnes zu beseitigen. Sie stieß ihn in die Schlucht, doch der Junge verfing sich an einer Wurzel und konnte gerettet werden - woraufhin die Stiefmutter es vorzog, sich selbst in den Abgrund zu stürzen.

Was es abseits von krummen Türmen, Drachen und Stiefmüttern in Brünn noch zu erleben gibt, haben wir für Sie zusammengetragen:

Restaurant: Forky's (www.forkys.eu/en/)
Vegan und lecker gibt es nicht? Da sind die Betreiber des "Forky's" anderer Meinung. Der geschmackvoll eingerichtete Fast-Food-Tempel bietet gesundes, veganes Fast Food von Burgern über Superbowls.

Restaurant: Monte Bu (www.monte-bu.cz)
Keine Sorge: Auch Fleischenthusiasten kommen in Brünn auf ihre Kosten. Dafür sorgt das "Monte Bu". Das im Wildwest-Stil gehaltene Restaurant bietet - wie könnte es anders sein - Steaks aller Art, unter anderem von "glücklichen japanischen Kühen". Kein Scherz!

Restaurant: Zlatá Loď (www.zlatalod.com)
Eines der besten Restaurants in Brünn ist das "Zlatá Loď", das "Goldene Boot": Neben Burgern zählen Lendenstücke zu den Spezialitäten des Hauses, die Karte bietet einen ausgewogenen Mix aus tschechischer, spanischer und französischer Küche.

Bar: Die Bar, die es nicht gibt (www.barkteryneexistuje.cz)
Eine philosophische Frage: Wenn es eine Bar nicht gibt und dort trotzdem Getränke ausgeschenkt werden - wird man davon dann betrunken? Die "Bar, die es nicht gibt", bietet etliche hervorragende Cocktails, die Ihnen eventuell bei der Beantwortung der Eingangsfrage helfen können.

Bar: Super Panda Circus (www.superpandacircus.cz/en)
Wer den "Super Panda Circus" betritt, tut das nicht (nur) wegen der Drinks: Hinter den Türen öffnet sich für den Gast eine andere Welt von Farben, Gemälden und Zirkusatmosphäre. Muss man unbedingt gesehen haben.

Hotel: Barceló Brno Palace (http://www.brnohotels.cz/barcelo-brno-palace_d.php?site=brno)
Luxus und Komfort zu einem vernünftigen Preis bietet das Fünf-Sterne-Hotel Barceló Brno Palace im Stadtzentrum. Das historische Gebäude beherbergt ein modernes Luxushotel mit erstklassigem Service.

Hotspot: Observatorium
Das größte 3D-Observatorium Tschechiens steht in Brünn. Wer gerne Sterne beobachtet, wird das generalsanierte Gebäude lieben.

Hotspot: Luzanky-Park
Der Luzanky-Park wurde 1786 eröffnet und ist damit einer der ältesten öffentlichen Parks in Zentraleuropa. In der Mitte befindet sich ein Renaissance-Revival-Pavillon, der 1855 errichtet wurde. Außerdem gibt es einen Kinderspielplatz und jede Menge schattenspendender Bäume - ein idealer Ort, sich zu erholen und um zu relaxen.