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Was uns bewegt - Die Zukunft ist für alle gut

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„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ Personaler stellen diese Frage sehr gerne, um auszuloten, wie sich ein Bewerber seine Zukunft vorstellt und welche Visionen er hat. Dabei wissen wir seit Helmut Schmidt längst: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Aber im Ernst: Wir bei Rutronik24 würden auch gerne in die Kristallkugel blicken und heute schon wissen, was morgen passiert. Das wäre gut für den Umsatz der Firma – und gut für uns, wenn wir nebenbei ein bisschen am Aktienmarkt spekulieren.

Leider sind zuverlässige Prognosen über die Zukunft Zukunftsmusik. Denn „in ständiger Bewegung die Zukunft ist“, wie schon Meister Yoda, der unzweifelhaft weiseste Jedi aller Zeiten, wusste. Fragen Sie bei amerikanischen Technologiegiganten nach. Zwar existiert keine zweifelsfreie Quelle, dass Bill Gates sich mit „640 Kilobyte sollten für jeden genügen“ in den 1980er Jahren wirklich eine kapitale Fehleinschätzung leistete. Aber seine Aussage, dass das „Internet nur ein Hype“ sei, ist verbrieft. Selbst Pioniere und Genies wissen also nicht, was die Zukunft bringt. Und sie sind sich nicht einmal darüber einig, ob das, was sie bringen könnte, nun gut oder schlecht ist – Mark Zuckerberg und Elon Musk zankten sich vor wenigen Monaten um ebendiese Einschätzung zum Thema künstliche Intelligenz.

Eines jedoch scheint klar: Künstliche Intelligenz wird ein Teil davon sein. Schließlich lassen wir uns schon heute von Smartphones und –watches bei alltäglichen Angelegenheiten helfen. Sie zählen unsere Schritte, messen unsere Herzfrequenz, weisen uns den Weg und haben allgemein viele Alltagsgegenstände von früher überflüssig gemacht. Es steht zu vermuten, dass dieser Trend in den nächsten Jahren eher zunehmen wird. Und dann kann es gut sein, dass – wie in einer früheren Ausgabe nur scherzhaft behauptet – uns Roboter wirklich die Arbeitsplätze wegnehmen.

Aber muss das wirklich schlecht sein? Vielleicht schreibt in zwanzig Jahren eine KI diese Kolumne für Rutronik24, während wir sie bequem auf dem heimischen Sofa aus lesen - ohne Smartphone oder Tablet, dafür aber über eine Kontaktlinse, die uns den Text mitsamt schöner Bilder direkt auf die Netzhaut projiziert. Und während wir das tun, sind wir gar nicht auf der heimischen Couch, sondern liegen auf den Seychellen am Strand und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Klingt utopisch? Nicht unbedingt: Virtual-Reality-Brillen gibt es bereits, und wenn sie auch – wie die Oculus Rift – noch etwas sperrig daherkommen und die Auflösung zu wünschen übrig lässt, scheint ihr Siegeszug unaufhaltsam.

Forscher vergleichen den aktuellen Stand der Technik mit dem der Computer in den 70er Jahren. So gesehen dürfen wir gespannt sein, was die Zukunft alles bringt. In jedem Fall werden in zahlreichen Bereichen Jobs wegfallen: Der Trend zum autonomen Fahren wird dazu führen, dass irgendwann nur noch selbstfahrende Autos und Lkws unterwegs sind – und menschliche Fahrer lediglich für den Innenstadtverkehr gebraucht werden.

Reinigungsfirmen werden Putzroboter für verschiedene Aufgaben einsetzen, in der industriellen Fertigung sind bereits zahlreiche Maschinen im Einsatz. Und auch in der Pflege experimentieren Firmen bereits mit humanoiden Robotern. Was insbesondere hierzulande schwer vorstellbar klingt – schließlich können Androiden höchstens Emotionen und Empathie simulieren, jedoch nicht selbst empfinden – ist im technologieaffinen Japan weniger problematisch. Erinnern Sie sich an die buddhistischen Gebetsroboter.

Dank „Biofacturing“ entfällt in ein paar Jahren vielleicht sogar die leidige Veganer-gegen-Fleischfresser-Debatte: Schon heute experimentieren Firmen damit, Fleisch eigens zum Verzehr zu züchten, ohne dass dafür ein Tier sterben muss. Bald kann also jeder ohne Reue seiner Fleischeslust nachgehen – und statt schädlichem Cholesterin dabei noch gesunde Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen. Damit nicht genug, kann „Biofacturing“ noch mehr: Autokarosserien werden dann aus Graphenen und Spinnenseide gewoben statt gebaut, das Grundgerüst von Wolkenkratzern vom Grund bis zum Boden mithilfe von mikroskopisch kleinen Bio-Kreaturen hochgezogen – ohne menschliche Hilfe. 

Es ist vermessen, anzunehmen, dass sich dank technologischen Fortschritts alles zum Guten wenden wird, aber lassen Sie uns einen Augenblick träumen. Wenn Roboter unser aller Arbeit erledigen, dafür sorgen, dass wir noch länger leben, weil sie unsere Vitalwerte überwachen und mit Milliarden von Daten aus der ganzen Welt vergleichen können und jeder jederzeit alles hat, was er zum Leben braucht – dann wird vielleicht eine Zukunft möglich, in der alle Menschen in Frieden leben können. Die Alternative dazu wäre die Story der neuen Netflix-Serie „Altered Carbon“ – düster, mit einer reichen Elite, die ewig lebt, und dem traurigen Rest, der versucht, sich irgendwie durchzuschlagen.

Wir träumen dann doch lieber den Traum von Utopia.