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Vegan leben – moderner Trend oder Kehrtwende für die Umwelt?

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Kein Fleisch, keine Milch, kein Käse. Undenkbar? In vielen Familien und Gesellschaften scheiden sich zu veganer Ernährung die Geister und auch bei Rutronik24 beschäftigen wir uns mit der Frage nach dem Leben ganz ohne tierische Produkte.

In Deutschland leben ca. 1,3 Millionen Menschen, die sich einer komplett veganen Ernährung verschrieben haben. Das entspricht etwas mehr als einem Prozent der Bevölkerung. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit dieser Zahl eher auf einem der hinteren Ränge. Sieht man nach Asien wird man feststellen, dass der Veganismus hier schon sehr viel weiter verbreitet ist. Indien ist unter den veganerfreundlichen Ländern auf Platz eins. Hier gibt es fast ausschließlich vegetarische Restaurants, die der Quelle auslandskarriere.de zufolge, idealerweise auch vegan sind. Die Bevölkerung isst prozentual gesehen am wenigsten tierische Produkte auf der Erde. Sicherlich ist in vielen Ländern die Anzahl der Veganer höher, weil die Entscheidung aus religiösen Gründen fällt und nicht aus Lifestyle-Gründen. Welche Vorteile hat das vegane Leben für den Körper und die Umwelt?

Eine vegetarische Ernährung bringt viele Vorteile für unseren Körper mit sich. Wer sich fleischlos ernährt, neigt weniger zu Bluthochdruck, hat geringere Blutzucker- und Blutfettwerte und weist ein geringeres Diabetes-Risiko auf. Ob und inwiefern vegane Ernährung noch mehr positiven Einfluss auf den Körper hat, ist nicht bekannt. Ein häufig auftretendes Problem bei Vegetariern und Veganern ist lediglich der Mangel an B12, der durch die einseitige Ernährung entstehen kann. Die B12-Versorgung des Körpers sollte daher regelmäßig von einem Arzt geprüft werden.

Um die Gelüste einiger Vegetarier nach Fleisch und Wurst zu stillen, hat die Industrie in den letzten Jahren eine riesige Palette an Lebensmitteln hergestellt, die den tierischen Produkten gleichen. So gibt es z.B. Soja-Schnitzel, Soja-Grillwürstchen und vegetarischen Wurstaufschnitt. Auch Veganer kommen inzwischen in herkömmlichen Supermärkten auf ihre Kosten. Es gibt veganen Käse, veganes Hack, veganen Wein und sogar vegane Kondome, die ohne Milchprotein hergestellt werden.

Ein heiß diskutiertes und umstrittenes Thema bleibt bei Veganern die Hefe. Diese ist in Brot, Pizza und Bier enthalten, in manchen Fertiggerichten findet sich auch Hefeextrakt. Doch aus was besteht sie genau? Hefebakterien sind Kleinstlebewesen, die zu den Schlauchpilzen gehören. Da Pilze jedoch kein Nervensystem haben und somit auch keinen Schmerz empfinden, halten die meisten Veganer das Essen von Hefe inzwischen für unbedenklich.

"Wo gehen wir denn nun essen? Du isst ja fast nichts..." Eine Aussage, die sicherlich kein Veganer mehr hören kann. Dabei gibt es mittlerweile auf jeder Speisekarte in Deutschland zumindest vegetarische, wenn nicht auch vegane Gerichte. In Berlin gestaltet sich die vegane Ernährung wohl am einfachsten. Hier gibt es über 80.000 Menschen, die vegetarisch oder vegan leben und über 340 Restaurants, die vegetarier- und veganerfreundliches Essen anbieten. Weltweit führt Tel Aviv die Liste der Städte mit den meisten veganen Restaurants mit über 400 an. Auch findet in der israelischen Hauptstadt jährlich das größte vegane Food-Festival statt.

Auch die Umwelt profitiert von der vegetarischen und veganen Ernährung der Menschen. Die Massentierhaltung ist weltweit für 15 Prozent aller Klimaemissionen verantwortlich. Zur Verdeutlichung: Das ist mehr als alle Flugzeuge, Autos und Züge zusammen ausstoßen. Zudem braucht die Fleischproduktion rund 70 Prozent des Frischwassers. Zahlreiche Wissenschaftler halten die vegetarische Lebensweise tatsächlich für die emissionsärmste. Auch wenn Kritiker bemängeln, dass die Sojaproduktion weltweit die Rodung der Regenwälder ankurbelt, ist die Verwendung von Soja für Fleischersatzprodukte ein Bruchteil von dem, was als Futtermittel für die Massentierhaltung draufgeht.

Der Gründer der veganen Lebensmittelmarke "Veganz" geht sogar so weit, zu sagen, dass wir mit der Menge an Nutztieren, die derzeit leben, den ganzen Kontinent Afrika füllen könnten. Um für all diese Tiere ausreichend Futter anzubauen, bräuchten wir die Fläche von China, Australien, Europa und Nordamerika. Das bedeutet umgekehrt: Wenn wir nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf tierische Milch verzichten würden, könnten wir 83% dieser Fläche freigeben um darauf Pflanzen anzubauen, die wir dann direkt verzehren könnten.

Essenziell ist für eine gesunde Ernährung mit gutem Gewissen also vor allem zu akzeptieren, dass beim Essen immer jemand benachteiligt wird. Pflücke ich Salat, hungert sozusagen das Kaninchen, lege ich einen Gemüsegarten an, zerstöre ich den Lebensraum anderer Tiere. Klar definierte Regeln für einen emissionsarmen und nachhaltigen Konsum von Lebensmitteln gibt es nicht. Der wichtigste Reminder, den wir uns bei Rutronik24 auch zu Herzen nehmen wollen ist aber, dass man, egal wie man sich ernährt, man die Lebensmittel bewusst zu sich nehmen sollte.