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Stadt der guten Ideen

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Tartu ist mit rund 98.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Estlands. 1030 wurde die Stadt als Tharbatas erstmals urkundlich erwähnt, als Großfürst Jaroslaw der Weise von Kiew eine von den damaligen Einwohnern errichtete Holzfestung zerstörte und an ihrer Stelle eine Festung unter dem Namen Jurjew errichten ließ.

An diese erste Festung erinnert heute noch der Toome-Hügel, wo die ersten Siedler damals die Befestigungsanlagen errichteten. Heute befindet sich dort der Toomemäe-Park mit der Engels- und der Teufelsbrücke. Der Legende nach werden Wünsche, die man während der ersten Überquerung der Engelsbrücke ausspricht, wahr.

Ihren Namen hat die Stadt aus dem Altestnischen, in dem Tartu vermutlich "Auerochs" bedeutete. Heute ist Tartu vor allem für seine Universität bekannt und gilt folgerichtig als typische Studentenstadt.

Im 13. Jahrhundert wurde Tartu zur Hansestadt und zum Bindeglied zwischen den Hansestädten sowie den russischen Städten Pleskau und Nowgorod. 1721 ging die Stadt ins russische Zarenreich über und wurde 1893 im Zuge der Russifizierung in Jurjew umbenannt. Der Name setzte sich allerdings nicht einmal in Russland selbst durch, so dass die Stadt nach der Unabhängigkeit Estlands 1918 wieder zum Namen Tartu zurückkehrte.

Die Stadt bezeichnet sich aufgrund ihrer traditionsreichen Universität, die 1632 vom schwedischen König Gustav II. Adolf gegründet wurde und die einzige Volluniversität Estlands ist, als "Stadt der guten Ideen". Die Universität wurde zur Mittlerin zwischen russischer und deutscher Kultur und zur Drehscheibe der west-östlichen Beziehungen - gleichzeitig aber auch zur Keimzelle des estnischen und lettischen Nationalismus. Die Nationalfarben Estlands gehen auf die Farben der Studentenverbindung "Verein Studierender Esten" zurück.

Die tragende Rolle der Universität und ihrer Studierenden zeigt sich auch an einem der bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt. In der Mitte des Raekoja-Platzes im Stadtzentrum von Tartu steht der "Kissing Students Fountain", der seit 1948 von frisch verheirateten Paaren besucht wird und als Glücksbringer gilt. Außerdem finden auf dem Platz das ganze Jahr über Konzerte, Märkte und Festivals statt, was ihn zum zentralen Anlaufpunkt der Stadt macht. Das Rathaus, das am einen Ende des Platzes liegt, gilt als architektonisch wertvoll und wurde nach dem großen Feuer von 1775, als fast die gesamte Innenstadt niederbrannte, vom Rostocker Stadtbaumeister Johann Heinrich Bartholomäus Walther neu entworfen und 1789 fertiggestellt.

Ein weiterer Beweis für die tiefe Verbindung zwischen Stadt und Studierenden findet sich im Supilinn-Viertel, auch "Suppenstadt" genannt. Die "Suppenstadt" besteht aus alten Holzhäusern, die Straßen sind nach Zutaten benannt - sprich, dort kann man von der Erbsen- in die Kartoffelstraße gehen, während man die Häuser aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bewundert. Ursprünglich wurden die Häuser dort für arme Studenten errichtet, inzwischen werden die alten Behausungen nach und nach von modernen Wohnhäusern ersetzt.

Ebenfalls von Studierenden inspiriert ist die reichhaltige Streetart-Kultur in Tartu: Von großen Wandmalereien an den Seiten von Gebäuden und Museen bis hin zu kleinen Porträts in den Fenstern von Altbauten gibt es viel zu entdecken. Das bemerkenswerteste Stück Street Art ist eine zeitgenössische Darstellung des Stadtlebens im 19. Jahrhundert vor der Universität. Graffiti-Fans haben sogar eine Straßenkunstkarte erstellt, die die spannendsten Street-Art-Gemälde zeigt.

Obwohl Estland eines der Länder mit der niedrigsten Quote an Gläubigen ist, finden sich in Tartu architektonisch eindrucksvolle Kirchen, wie etwa die lutherische Sankt-Johannes-Kirche im Stadtzentrum. Sie ist nicht nur eine der ältesten Landmarken der Stadt, sondern durch ihre Ziegelsteinoptik auch ein echter Hingucker. Obwohl die Kirche im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, sind noch Teile des ursprünglichen Bauwerks aus dem 14. Jahrhundert erhalten.

Die Studentenstadt Tartu hat also einiges zu bieten. Was sie abgesehen von den beschriebenen Sehenswürdigkeiten noch unbedingt erkunden sollten, haben wir für Sie zusammengetragen.

Restaurant: Püssirohu Kelder (http://pyss.ee/?lang=en)
Die Speisekarte im Püssirohu Kelder (Schießpulverkeller) ist ebenso einzigartig wie das Bauwerk selbst. Die Gerichte, beispielsweise Solyanka in der Brotschüssel, haben eine lange Tradition, ebenso das Hausbier, das direkt vor Ort gebraut wird. Das Restaurant befindet sich am Fuße des Toomemägi-Hügels hinter dem Rathaus von Tartu.

Restaurant: Meat Market (http://meatmarket.ee)
Der Name ist Programm: Im "Meat Market" gibt es für Fleischliebhaber alle möglichen Variationen ihres liebsten Hauptgerichts - von Steaks über Schnitzel bis zu Burgern von verschiedensten Tieren ist alles dabei, was das Herz eines echten Fleischfressers höher schlagen lässt. Hinzu kommt eine breite Auswahl an Cocktails.

Restaurant: Werner (http://www.werner.ee/)
Seit seiner Gründung 1895 ist das Restaurant und Café Werner Treffpunkt für lokale Schriftsteller, Dichter, Schauspieler, Musiker und -Künstler. Neben einer breiten Auswahl an Kaffee und Kuchen bietet das Restaurant von selbst gebackenem Brot über Fischfilet-Burger bis hin zu Pasta-Variationen zahlreiche Hauptgerichte.

Bar: "Vein ja Wine" (http://www.veinjavine.ee/)
Ein Mekka für Weinkenner ist das "Vein ja Wine": Die Vinothek bietet eine reichhaltige Auswahl an lokalen Weinen von Weiß- über Rosé- bis Rotwein. Das urige Ambiente - eine Kombination aus Ziegelsteinwänden, frei liegenden Metallrohren und Inventar im Retro-Look sorgt für eine ganz eigene, gemütliche Atmosphäre.

Bar: "Väike Kuuba" (https://www.facebook.com/vaikekuuba/)
Ein Hauch von Kuba in Tartu: Die Bar "Väike Kuuba" liegt direkt am Ufer des Emajõgi, der mitten durch die Stadt fließt. Dank einer breiten Getränkeauswahl - selbstverständlich inklusive Cuba Libre - und zahlreicher Events ist das "Väike Kuuba" im Sommer der perfekte Ort, um einen anstrengenden Tag bei einem kühlen Getränk ausklingen zu lassen.

Hotel: vHotell (https://vspahotel.ee/en/)
Direkt im Stadtzentrum liegt das Vier-Sterne-Hotel vHotell. Neben Sauna, Pool und einem Shoppingcenter im Untergeschoss bietet es außerdem verschiedene Restaurants und Cafés - und das alles unter einem Dach. Das vHotell liegt außerdem in unmittelbarer Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln.

Hotspot: Tartuff Love Film Festival (http://2019.tartuff.ee/en/)
Jedes Jahr im August steht Tartu ganz im Zeichen der Liebe: Das "Tartuff"-Outdoor-Filmfestival gehört zu den beliebtesten Sommerfestivals in Estland und verfügt über das größte Open-Air-Kino des Baltikums. Beim "Tartuff" werden zahlreiche Filme aus verschiedenen Genres gezeigt, die sich alle um die wichtigste Sache der Welt drehen: die Liebe.

Hotspot: Toomemägi Tartu (https://www.visitestonia.com/en/toomemagi-park) Wie oben bereits erwähnt, befindet sich der Toome-Hügel, Standort der ersten Festung Tartus, im Toomemägi-Park. Die weiträumige Anlage ist seit Jahrhunderten zentraler Anlaufpunkt der Bürger, seit Anfang des 19. Jahrhunderts besteht der Park in seiner heutigen Form. Ein idealer Ort, um die Natur zu genießen, sich zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen.