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Ordentlich eingewickelt!

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Spätestens seit den „Fridays for Future“-Protesten sind ökologische Themen in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt. Umweltverschmutzung und Raubbau an natürlichen Ressourcen soll der Kampf angesagt werden. Im Fokus der öffentlichen Debatten stehen dabei unter anderem Plastikverpackungen. Derzeit wird über ein Gesetz zum Verbot von umweltschädlichen Einwegtragetaschen debattiert, viele Händler und Supermärkte bieten bereits Alternativen an. Und auch wenn das prominente Journalisten wie FAZ-Redakteur Philipp Krohn vor die unlösbare Frage stellt, womit sie künftig ihre Wassermelonen sicher nach Hause transportieren sollen: Für Plastikverpackungen läuten bereits die Totenglocken. Wir bei Rutronik24 finden das gut!

Obwohl die Reduzierung von Plastikverpackungen und Tragetaschen gesellschaftlicher Konsens ist und sich nur ein paar Ewiggestrige, Klimaleugner und eben etwas ungeschickte Journalisten dagegen sträuben, sind viele der Alternativen nicht unumstritten: Papiertüten werden derzeit von großen Supermärkten gerne angeboten, doch ihre Ökobilanz ist nicht besser als die einer Plastiktüte: "Einwegtüten aus frischen Papierfasern müssen schätzungsweise mindestens dreimal so oft genutzt werden wie eine erdölbasierte Plastiktüte, damit sich die Klimabilanz ausgleicht: Die Herstellung von Zellulose für Papiertüten ist äußerst energie- und wasseraufwändig", schreibt der Naturschutzbund NABU. Abgesehen davon neigen die Tüten dazu, zu reißen. Und Sie können uns glauben: Ein Rotwein-Speisequark-Hackfleischsmoothie, stilvoll angerichtet auf Asphalt, ist längst nicht so toll wie man meinen könnte und allenfalls noch für Hipster interessant.

Selbst nachhaltige Lösungen wie Baumwollbeutel sind in der Produktion sehr energieintensiv und nur dann gut für die Umwelt, wenn man sie auch wirklich mehrfach verwendet. Abgesehen davon hört der Plastikwahnsinn nicht bei den Tragetaschen auf. User des Kurznachrichtendiensts Twitter sammeln eifrig die schrägsten und unsinnigsten Plastik-Umverpackungen - von einzeln verpackten Bananen über Mini-Tic-Tac-Schachteln in einer weiteren großen Packung bis hin zu den Werbeprospekten der Deutschen Post, die in Plastik eingeschweißt in jedem Haushalt landen. Es scheint, als kämpfe man als Verbraucher gegen Windmühlen, wenn es darum geht, Plastik zu vermeiden. Außerdem zählt neben der ökologischen Komponente für Verbraucher mit geringerem Einkommen auch der ökonomische Aspekt, sprich: Kann ich mir nachhaltiges Handeln auch leisten?

Ein Berliner Start-up hat eine verhältnismäßig kostengünstige, innovative Alternative für Plastik-Umverpackungen gefunden: Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie. Grundlage sind Bio-Baumwolltücher, die mit Bienenwachs, Harz und Jojobaöl beschichtet werden. So können Lebensmittel atmen und werden gleichzeitig vor dem Austrocknen geschützt. Die Tücher sind abwaschbar und können rund ein Jahr lang benutzt und anschließend sogar noch als Grillanzünder oder ähnliches verwendet werden. Die Rohstoffe bezieht das Start-up "Beeskin" aus Europa: Die Bio-Baumwolle kommt aus der Türkei, das Harz aus Österreich und das Wachs aus Deutschland. Einzig das Jojobaöl müssen die Gründer, Christina und Christian Sauer, aus Israel kommen lassen - trotz Klimawandel wachsen hierzulande glücklicherweise (noch) keine Jojoba-Sträuche.

Das Unternehmen, das erst vergangenen September gegründet wurde, wächst stetig, zuletzt wurden 3000 Produktartikel im Monat hergestellt - geplant ist, die Produktion um das Zehn- bis Zwanzigfache zu steigern. Wer jetzt Angst hat, dass dieser Kurs dafür sorgt, dass wir den Bienen ihr sauer erarbeitetes Wachs wegnehmen, kann beruhigt sein: Die Imker nehmen nur altes, bereits bebrütetes Wachs vom Bienenstock. Außerdem ist nicht Profit das Ziel von Beeskin, denn: "Europa ist für uns eine rote Linie", sagt Gründerin Christina Sauer. Eine Expansion nach Asien sei nicht geplant, auch wenn es bereits Anfragen gegeben habe: Chinesische Händler wollten ihr Wachs aus Argentinien beziehen und in China produzieren - genau das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Beeskin agiert überdies ausschließlich mit eigenem Kapital, externe Geldgeber gibt es nicht und soll es auch nicht geben.

Kurzum: Eine runde Sache, zumal Beeskin bereits dreimal in der Lage war, den Preis für ein Multiset mit Tüchern in drei verschiedenen Größen auf derzeit 17,99 Euro zu senken. Noch ist das zu viel für die Supermärkte, hier hält Christian Sauer einen Preis von zehn Euro für notwendig, um ins Sortiment der großen Ketten vorzudringen. Derzeit gibt es die Tücher in Reformhäusern zu kaufen, Großhändler exportieren sie in andere europäische Länder. Ziel von Beeskin ist es, durch das Wachstum und die damit einhergehende Nachfrage auch nachhaltige Imkerei zu fördern.

So toll das klingt - ein paar Haare in der Suppe gibt es denn doch: Einerseits lehnen Veganer die Tücher ab, da sie eben mit Bienenwachs hergestellt werden. Zweitens und wesentlich wichtiger, weil im Alltag unpraktisch: Die Frischhalte-Tücher eignen sich nicht für alle Lebensmittel. Rohes Fleisch etwa kann man nicht darin einwickeln, da man die Tücher nur mit kaltem, nicht mit heißem Wasser abwaschen kann. Auch Ananas kann man nicht darin aufbewahren, da die Enzyme darin das Wachs angreifen. Und generell sind besonders ölige oder alkoholhaltige Substanzen für die Tücher ungeeignet.

Aber in einem Land, in dem es über 5.000 verschiedene Bier- und rund 3.000 unterschiedliche Brotsorten gibt, sollte es eigentlich kein Problem sein, mehr als eine Art umweltfreundlicher Verpackung gleichzeitig zu benutzen - oder?