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Galileos Lieblingsstadt

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Genau in der Mitte der beiden Touristenhochburgen Venedig und Verona liegt eine mittelgroße Stadt mit rund 200.000 Einwohnern, die – völlig zu Unrecht – etwas in deren Schatten steht: Padua. Hier verbrachte Galileo Galilei 18 Jahre seines Lebens, die laut eigener Aussage seine glücklichsten waren. Und nicht zuletzt verband Padua im Mittelalter zwei völlig gegensätzliche Pole miteinander: Religion und Wissenschaft.

Der Sage wurde Padua im 11. Jahrhundert vor Christus vom trojanischen Prinzen Antenor gegründet - damit wäre die Stadt mehr als 400 Jahre älter als Rom. An den vermeintlichen Gründer erinnert noch heute das Antenor-Grab im Stadtzentrum. Jahrhundertelang glaubte man, der große Sarkophag enthalte die Gebeine des Prinzen. Erst 1985 widerlegte eine Untersuchung mit moderner Technologie diesen Glauben.

Historisch belegt ist die Gründung eines Fischerdorfs am Fluss Bacchiglione im vierten Jahrhundert vor Christus, woraus sich ein wichtiges Zentrum des antiken Volkes der Veneter entwickelte. Nach der Niederlage der Gallier gegen die Römer wurde das Gebiet in das Römische Reich eingegliedert und "Patavium" wurde eine der reichsten Handelsstädte des Imperium Romanum. Die Stadt war außerdem Geburtsort eines der bedeutendsten Historiker der damaligen Zeit: Livius. Nach dem Fall des Weströmischen Reiches fiel Padua an die Langobarden und wurde nach einem Aufstand gegen deren König Agilulf nach zwölf Jahren Belagerung 613 niedergebrannt. Als Reaktion darauf flüchteten zahlreiche Bürger der Stadt auf die Venetischen Inseln und trugen so zur Gründung von Venedig bei.

Im Mittelalter entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum für Kunst, Wissenschaft - und bemerkenswerterweise auch der Religion. 1222 wurde in Padua die dritte Universität Italiens gegründet, außerdem siedelten sich einige der wichtigsten italienischen Künstler dort an, darunter Donatello. Daher verfügt die Stadt über unzählige Fresken, Bauwerke und sonstige Kulturdenkmäler aus dieser Zeit. Padua zieht bis heute Kunstschaffende an: Hier sind einige der besten Graffiti-Künstler Italiens zuhause.

Zwischen 1232 und 1310 wurde die Basilika des Heiligen Antonius errichtet, die zu den acht internationalen Heiligtümern gehört. Sie ist dem Heiligen Antonius von Padua gewidmet, der dem Franziskanerorden angehörte und in den letzten Jahren seines Lebens in der Stadt wirkte. Er galt schon zu Lebzeiten als bedeutendster Prediger seiner Zeit. Padua nennt sich "Die Stadt des Heiligen" - ein Namenszusatz ist überflüssig, denn jeder Bürger weiß sofort, wer damit gemeint ist.

Wie bereits erwähnt koexistierten Religion und Wissenschaft in Padua weitgehend friedlich. Zur Zeit der Renaissance wirkte Galileo Galilei dort 18 Jahre lang und gehörte 1599 zu den Mitbegründern der Accademia die Ricovrari, der Galilei-Akademie der Wissenschaften und Künste. Auch eines der weltweit ersten fest eingebauten anatomischen Theater (ein Hörsaal, in dem Leichen seziert wurden) befindet sich in Padua. Man erzählt sich, dass die Holzbänke des Theaters absichtlich unbequem konstruiert wurden, um zu verhindern, dass die Studierenden während einer Sektion einschliefen.

Das Theater wurde bis 1872 genutzt und ist heute Bestandteil einer Führung durch den historischen Standort der Universität, den Palazzo del Bo. "Bo" ist im Lateinischen die Kurzform für "Ochse" und der Name des Wirtshauses, das Ende des 15. Jahrhunderts für den Bau der Universität weichen musste.

Abgesehen von Kunst und Kultur, Religion und Wissenschaft, ist Padua auch noch für etwas anderes berühmt: seine Süßspeisen, darunter den Paduaner Schichtkuchen. Die Ursprünge der Süßspeise lassen sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen und besteht aus Mandeln, Zabaione und Biskuit umhüllt von dunkler Schokolade.

Ebenfalls erwähnenswert und typisch für Padua sind Zaeti (traditionelles Maismehlgebäck mit Orangengeschmack und Rosinenfüllung), Crostoli (krümelige Süßigkeiten, die zur Karnevalszeit typisch sind), Fregolotta-Kuchen (ähnlich dem schottischen Shortbread), riesige Meringues in Pastellfarben und die geheimnisumwobenen Pevarini-Kekse (hergestellt aus Kakao, Mandeln und schwarzem Pfeffer, was ihnen einen leicht würzigen Geschmack verleiht).

Was die "Stadt des Heiligen" darüber hinaus noch zu bieten hat, haben wir für Sie wie immer liebevoll zusammengestellt:

Restaurant: Ristorante da Giovanni (www.ristorantedagiovannipd.it)
Traditionelle, regionale Küche gepaart mit einem rustikalen und gleichzeitig edlen Ambiente: Das ist das 1949 gegründete "Ristorante da Giovanni". Besonders zu empfehlen und eine Spezialität des Hauses ist gekochtes Fleisch in verschiedenen Variationen. Klassisch italienisch gibt es darüber hinaus eine breite Auswahl an Pasta-Variationen.

Restaurant: Isola di Caprera (www.isoladicapreraristorante.com/en/)
"Seit 1800 Fixpunkt der traditionellen, lokalen Küche" - so wirbt das "Isola di Caprera" auf seiner Website. Die Auswahl reicht von Fischgerichten wie Thunfisch-Tartar und Kabeljau nach traditionell venezianischem Rezept über Pasta-Variationen bis hin zu Fleischgerichten wie Kalbsschnitzel mit Pilzen und Parmaschinken.

Restaurant: Da Dante alle Piazze (www.dadanteallepiazze.com/)
Auch das dritte Restaurant im Bunde, das "Da Dante alle Piazze" bietet traditionelle venetianische Küche von Kabeljau über Bigoli-Pasta bis hin zu Leber auf venetianische Art. Was das Restaurant von den anderen unterscheidet ist seine umfangreiche Auswahl an italienischen Weinspezialitäten. Hier kommen Genießer voll auf ihre Kosten.

Bar: Caffe Pedrocci (www.caffepedrocchi.it/)
Kaffee steht, wie der Name schon sagt, im Mittelpunkt: Das "Caffe Pedrocci" gibt es seit 1831 und seitdem bietet es zahlreiche Kaffeespezialitäten und selbstverständlich auch venezianische Süßspeisen an. Im imposanten Ambiente des Traditionshauses finden außerdem regelmäßig exklusive Veranstaltungen wie Konzerte statt.

Bar: Pasticceria Racca (www.pasticceriaracca.com/racca/)
Schleckermäuler und Naschkatzen aufgepasst: Im "Pasticceria Racca" kommen Sie voll auf Ihre Kosten, denn das Café steht ganz im Zeichen seiner Süßspeisen - von handgemachter Schokolade über Macarons bis hin zu opulenten Torten gibt es alles, was das Herz begehrt. Und wem das noch nicht reicht: Eis gibt es dort auch!

Hotel: Majestic Toscanelli (www.toscanelli.com/)
Das "Majestic Toscanelli" liegt mitten im Stadtzentrum mit Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Das Vier-Sterne-Hotel verfügt über Konferenzräume, freies WLAN und eine Tiefgarage. Für Familien mit Kindern oder Haustieren interessant: Gegen Aufpreis gibt es einen Babysitterservice und Tiere bis 15 Kilogramm sind willkommen (außer im Hotelrestaurant).

Hotspot: Piazza delle Erbe
Jahrhundertelang war die Piazza delle Erbe zusammen mit der Piazza della Frutta das Handelszentrum der Stadt und beherbergte einen der größten Märkte in Italien. Außerdem fanden dort Volksfeste statt. Inmitten des Platzes steht der imposante Palazzo della Ragione, dessen Obergeschoss über das größte nicht durch Säulen gestützte Dach Europas verfügt. Sehenswert.

Hotspot: Prato della Valle
Der Prato della Valle ist mit 90.000 Quadratmetern der größte Platz Italiens und einer der größten in Europa. Während der Römerzeit und im Frühmittelalter diente das Areal als Aufmarschplatz, später wurden hier Märkte und Messen veranstaltet. Seine heutige, elliptische Form mit einer Insel in der Mitte erhielt der Platz im 18. und 19. Jahrhundert.