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Brillenschlangen im Nebel

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Kaum ist es Winter geworden - zumindest auf der Nordhalbkugel dieses Planeten – kann man Menschen beobachten, die einem tollen Hobby nachgehen: Im Nebel stochern!

Gehört man selbst zu den Benebelten, ist das gar nicht so toll, denn: Man sieht überhaupt nichts!  Die Rede ist von Brillenträgern. Wenn sie aus der Kälte in einen warmen Raum kommen, beschlagen die Gläser – schlagartig  ist der Durchblick weg! Dieser lustige – oder auch nicht – physikalische Effekt entsteht, wenn die warme Luft sich an den kalten Gläsern abkühlt und nicht mehr so viel Feuchtigkeit halten kann. Das Wasser kondensiert auf den Brillengläsern und schon hat der genervte Brillenträger eine vernebelte Sicht. Da helfen auch die mitleidigen Blicke der mit Adleraugen ausgestatten Mitmenschen nicht.


„Das ist doch ein Nischenthema“, sagen Sie? Bitte nicht so schnell. Es gibt immer mehr Brillenträger: In Deutschland sind zum Beispiel zwei von drei Erwachsenen auf irgendeine Art von Sehhilfe angewiesen. Weltweit waren vor rund 20 Jahren knapp ein Viertel der Menschen Brillenträger, mittlerweile sind es schon über die Hälfte. Vier Milliarden. Ganz schön viele! Nachlassende Sehkraft betriff auch zunehmend Kinder und Jugendliche. Der Grund: exzessive Smartphone-Nutzung. Generell gibt es mit steigendem Alter immer mehr Brillenträger. Das Thema, liebe Leserinnen und Leser, betrifft wohl fast alle von uns. Nicht-Brillenträger können sicher mitfühlen, insbesondere wenn sie einem Hobby wie Tauchen, Skilaufen oder Motoradfahren nachgehen.


Wassersportler greifen gerne zu einem Trick: Sie spucken auf die Innenseite der Taucherbrille und vermeiden so das Beschlagen. Das dies für den Alltag keine Option ist, darin sind wir uns wohl einig. Stellen Sie sich in Corona-Zeiten Horden von auf die Gläser spuckende Brillenträger vor: ein Alptraum! Das Virus ist der Grund, warum beschlagene Brillengläser aktuell so ein großes Thema sind. Maske ist Pflicht, zum eigenen Schutz und zum Schutz seiner Mitmenschen. Leider tritt der Effekt der beschlagenen Gläser wesentlich häufiger auf.  Die warme Atemluft entweicht nach oben aus Maske durch und kondensiert an den Gläsern. Der vermutlich einfachste Weg dies zu verhindern ist, zuerst die Maske aufzusetzen und dann die Brille darüber zu tragen. Zudem sollten Sie eine möglichst eng anliegende Maske tragen – grundsätzlich eine wirklich gute Idee! Besonders geeignet sind übrigens Masken, die einen eingenähten Metallbügel an der oberen Kante haben. Mit einer Stoffmaske, die sich am oberen Rand einmal nach Innen falten lässt, können sie den Effekt ebenfalls lindern.


Abhilfe schaffen auch Anti-Beschlag-Beschichtungen und Sprays. Die Beschichtungen werden direkt bei der Herstellung auf die Gläser aufgebracht, durch Nanotechnologie wird so die Oberfläche hydrophil, also wasseranziehend, und die Tropfen zerlaufen in der Folge zu einem durchsichtigen Film. Das ist nicht billig und die Beschichtung kann nicht auf „fertige“ Brillen aufgebracht werden. Zumindest temporär helfen auch Anti-Beschlag-Sprays oder Antibeschlag-Brillenputztücher. Eine Art „Life-Hack“ ist noch dieses Wundermittel: Rasierschaum. Einfach beidseitig auftragen und mit warmem Wasser vorsichtig abspülen! Bitte kein Rasieröl verwenden, es sei denn Sie wollen komplett den Durchblick verlieren. Noch ein Tipp: Probieren Sie Kontaktlinsen (wenn sie es vertragen).


Egal mit welcher Methode Sie den Nebel vertreiben, wir wünschen Ihnen viel Erfolg! Behalten Sie in diesem Winter den Durchblick und den Überblick. Und bleiben Sie gesund und sicher!