Rutronik News

C-3PO vs. the Terminator

  Newsletter Article

Sind wir bereit für künstliche Intelligenz?

Was verbinden Sie mit dem Schlagwort "künstliche Intelligenz"? Skynet, die Matrix, HAL9000? Science-Fiction-Bücher und -Filme, in denen künstliche Intelligenz auf die eine oder andere Art und Weise eine Rolle spielt, zeichnen meist ein düsteres Bild: Maschinen, von Menschen gemacht, um sich das Leben zu erleichtern, verfolgen ihre eigene Agenda. Sie vernichten oder versklaven ihre einstigen Herren, die fortan dazu verdammt sind, als lebende Bioenergiezellen dahinzuvegetieren oder durch nukleare Wüsten zu streunen.

 

Was für die Filmemacher zur damaligen Zeit noch Science Fiction war, ist für Drehbuchautoren heute in greifbare Nähe gerückt: Ein vom MIT entwickelter Deep-Learning-Algorithmus schafften es kürzlich, Sarkasmus in Beiträgen auf Twitter mit einer Trefferquote von 82 Prozent zu erkennen - menschlichen Testpersonen gelang dies nur in 76 Prozent der Fälle. Und längst haben wir uns daran gewöhnt, dass Schach- und Go-KIs menschliche Großmeister mit schöner Regelmäßigkeit vom Brett fegen. Steht der Aufstand der Maschinen also kurz bevor?

 

Selbst zwei Schwergewichte der Technologieszene sind sich über diese Frage uneins: Jüngst gerieten Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Tesla-CEO Elon Musk aneinander. Obwohl beide in ihren Unternehmen auf künstliche Intelligenz setzen - Zuckerbergs soziales Netzwerk will Googles Vorsprung einholen, Musks Elektroautos setzen beim vollautomatisierten Fahren auf KI-Technologie - kommen sie zu unterschiedlichen Schlüssen. Während sich Zuckerberg von künstlicher Intelligenz langfristig positive Effekte verspricht, warnte Musk schon mehrfach vor der Gefahr, die von selbstlernenden, intelligenten Maschinen ausgeht und fordert eine staatliche Regulierung von KI-Systemen.

 

Bis es soweit ist, bieten sich die jetzt schon erhältlichen digitalen Assistentinnen, ob sie nun Alexa, Siri, Home oder Cortana heißen, in Werbespots als dienstbereite Organisatoren des eigenen Alltags an. "Alexa, setz' Kopfschmerztabletten auf meine Liste", bittet eine entnervte Ehefrau angesichts des anstehenden Besuchs der Schwiegermutter. Und wer wissen will, was Schauspieler Dwayne "The Rock" Johnson gerade so treibt, sagt einfach: "Hey Siri, was haben Du und The Rock so vor?"

 

Eigentlich praktisch - wenngleich die Assistentinnen sich bisweilen noch übertölpeln lassen. Vor einigen Monaten versuchte Burger King, Google Home auszutricksen: In einem Werbespot fragt ein Mitarbeiter der Fastfood-Kette am Ende des Spots: "Ok, Google, was ist der Whopper-Burger?" Und tatsächlich: Die Google-Lautsprecher der Zuschauer reagierten und zitierten den Wikipedia-Eintrag zum Whopper.

 

Es dauerte naturgemäß nicht lange, bis sich verschiedene Editoren von Wikipedia daran machten, den ursprünglichen Eintrag so zu verändern, dass aus der Werbung eine Schimpftirade wurde. Am Ende hatte der Spot dem Fast-Food-Konzern durchaus zusätzliche Publicity verschafft, gleichzeitig aber eine Schwäche der digitalen Assistenten aufgezeigt. Was wäre geschehen, wenn eine Firma in ihrem Spot gesagt hätte: "Ok, Google, bestelle mir bei Rutronik24 100.000 Mosfets?" Wir können getrost davon ausgehen, dass diese Lücke inzwischen geschlossen ist.

 

Trotzdem stellt sich die Frage: Wenn wir immer mehr unserer täglichen Aufgaben an unsere digitalen Helferlein delegieren, die für uns Termine verwalten, online bestellen und uns an dieses und jenes erinnern - machen wir uns nicht abhängig von Konzernen? Schon heute "lauschen" die Siris und Alexas in Millionen Haushalten rund um die Uhr. Was geben sie an ihre Herren in den Konzernzentralen von Apple, Google, Microsoft und Amazon weiter?

 

Die Vermutung liegt nahe, dass uns große Unternehmen über die digitalen Assistenten unbewusst manipulieren. Der umstrittene private Taxidienst Uber geriet im Mai in die Schlagzeilen, weil die App per KI vorhersagen konnte, wie viel ein Fahrgast für seine Route zu zahlen bereit war. Es ist also schon jetzt vieles möglich. Ob diese Möglichkeiten alle ausgeschöpft werden, werden wir vermutlich in den nächsten Jahren sehen.

 

Wir wollen die Zukunft aber natürlich nicht schwarzmalen: Eine KI kann - eingehegt von gewissen Grenzen - viel Gutes bewirken. Ein digitaler Assistenzarzt, der menschlichen Ärzten bei präzisen Diagnosen hilft, eine KI, die einen bald eintretenden Notfall vorhersagen und den Notarzt verständigen kann, noch bevor der Mensch bemerkt, dass es ihm schlecht geht - hier könnte künstliche Intelligenz Leben retten. KIs könnten außerdem zur Planung und Steuerung einer nachhaltigeren, effizienteren Nutzung unserer natürlichen Ressourcen eingesetzt werden - damit unser Planet uns noch länger erhalten bleibt als die von Stephen Hawking prognostizieren 100 Jahre!