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Wie ein Goldfisch

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Warum wir uns so leicht ablenken lassen

In Zeiten von Smartphone, Pokémon Go und Facebook fällt es nicht schwer, sich ablenken zu lassen. Ob von langweiligen Gesprächen, in denen der schnelle Blick aufs Smartphone das Äquivalent der "Dialog überspringen"-Funktion aus Computerspielen ist, beim Abfassen einer Studienarbeit oder aber: im Job. Der nächste Grund, sich von einer anstrengenden Aufgabe ablenken zu lassen, ist nur einen Klick entfe... Einen Augenblick, ich bin gleich wieder bei Ihnen. Muss nur eben in Clash of Clans Ressourcen einsammeln.

Wo war ich? Ach ja: Eine Studie hat 2015 gezeigt, dass die Aufmerksamkeitsspanne junger Kanadier (acht Sekunden) bereits die von Goldfischen (neun Sekunden) unterschreitet. Dabei werden die Hürden, unsere Aufmerksamkeit zu erregen und uns abzulenken, aufgrund der Fülle von Angeboten deutlich höher. Unser Smartphone zeigt neben den App-Icons einen kleinen roten Kreis mit einer kleinen weißen Nummer an, die je nachdem, wie häufig wir die App nutzen, immer größer wird und uns immer anklagender entgegenspringt, wenn wir das Smartphone entsperren. Dasselbe tun unser Tablet, unser Laptop und der Terminkalender unseres E-Mail-Programms. Hinzu kommen noch Aufforderungen nach Updates und Backups. Kurz: Wir werden von einer Informationsflut überschwemmt.

Unser Gehirn setzt dem das so genannte "Media multitasking" entgegen: Statt zwei Aufgaben auf einmal zu erledigen, wechselt es in schneller Folge zwischen den beiden Aufgaben hin und her. Das geschieht in allen Alltagsbereichen und ist nicht auf die jüngere Generation beschränkt: Eine Studie von C.A. Marci hat 2012 ergeben, dass junge Erwachsene alle zwei Minuten zwischen zwei Aufgaben wechseln - 27 Mal pro Stunde. Die älteren Erwachsenen schnitten aber nicht wesentlich besser ab: Sie wechselten 17 Mal in der Stunde zwischen den beiden Aufgaben hin und her, also alle drei bis vier Minuten. Auch scheint uns die Fähigkeit verlorenzugehen, einfach stillzustehen oder uns auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren. Selbst an der Supermarktkasse daddeln wir auf unseren Smartphones herum.

Larry D. Rosen, emeritierter Professor der Psychologie an der California State University, drückt es so aus: "Wir benehmen uns, als wären wir nicht mehr daran interessiert oder nicht mehr fähig, nichts zu tun. Es scheint, als kümmern wir uns eher um die Menschen, die durch unser Smartphone in Reichweite sind, als um diejenigen direkt vor uns. Und vielleicht noch schlimmer: Wir scheinen die Fähigkeit verloren zu haben, einfach mit uns selbst allein zu sein."

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Multitasking-Fähigkeit hat sich durch diese Entwicklung deutlich erhöht - sogar die von Männern.