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Warum wir Jelly Beans liebten und Jobs vermissen

Erstellt von Bernd Hantsche |   Newsletter Article

Zehn Jahre iPhone. Das heißt auch: Zehn Jahre Partnerschaft zwischen Rutronik und Nordic Semiconductor.

Wenn zwei Unternehmen eine Partnerschaft eingehen und über ein Jahrzehnt kontinuierlich schneller als ihre Marktbegleiter wachsen, ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis vieler guter Ideen und abgestimmter Aktivitäten auf beiden Seiten. An der gemeinsamen Erfolgsgeschichte von Rutronik und Nordic, welche nun im Scheinwerferlicht steht, haben zugegebenermaßen aber auch Dritte einen Anteil. Eine kleine Zeitreise:

Im Sommer 2005 kaufte Google Android. Von Android war damals nur bekannt, dass es Software für Mobiltelefone entwickelte. Im selben Jahr baute Rutronik sein europäisches Vertriebsnetz enorm aus. Das Unternehmen drang mit Teams aus Vertrieb, Marketing und lokalen FAEs in die Länder vor, in denen es noch nicht präsent war. Nordic präsentierte zur selben Zeit seinen Aktionären besonders starkes Wachstum in den Marktsegmenten der Computerperipherie und erste Umsätze bei Audio- und Sport-Projekten. Der Umbruch weg von kundenspezifischen SoCs hin zu Standardfunkprodukten war zu diesem Zeitpunkt fast abgeschlossen. Ebenso stand bereits fest, das Portfolio weiterer Ultra-Low-Power-Lösungen speziell für das weltweit lizenzfreie 2,4GHz ISM-Band auszubauen. Nordic wirkte schon früh in der damaligen Nokia Wibree Alliance mit. Wibree beschäftigte sich mit der Entwicklung einer neuen Funktechnik, die speziell für kleine Sensordaten konzipiert werden sollte. Die Entwicklungsziele waren dabei globale Einsatzmöglichkeiten und minimalster Stromverbrauch, dennoch sollte die Technik universell genug sein, um viele Anwendungen branchenübergreifend bedienen zu können.

Im November 2006 trafen sich Nordic Semiconductor und Rutronik zu einem ersten Gespräch auf der electronica in München. Beide Seiten waren sich dabei sehr schnell über gemeinsame Ziele, Maßnahmen und den Ausbau einer engen Partnerschaft einig. Rutronik wollte sein Portfolio von mobil und global verwendbaren Funkchips ausbauen.

Nordics Vertriebsweg stützte sich damals wie heute auf Distributoren. Um seinem Wachstum gerecht zu werden, suchte das Unternehmen einen überregional tätigen Distributor mit Logistikkompetenz und Erfahrung im technischen Verkauf. Zudem wurde die Nokia Wibree Alliance in die bestehende Bluetooth Special Interest Group (SIG) eingegliedert.

Eine bahnbrechende Innovation steigerte die Anforderungen an und Bedeutung von Bluetooth - und damit auch Nordic: Am 9. Januar 2007 wurde auf der Macworld Conference & Expo in San Francisco das erste iPhone vorgestellt. Am 29. Juni startete in den USA der Verkauf des Smartphones. Zu diesem Zeitpunkt war Bluetooth 2.0 der Stand der Technik und wurde hauptsächlich für die Verbindung zu Freisprechanlagen verwendet. Die Bluetooth Special Interest Group verabschiedete im August Version 2.1 mit eher kleineren Zusatzfeatures.

Google reagierte schnell und gab am 5. November bekannt, gemeinsam mit 33 anderen Mitgliedern der Open Handset Alliance ein Mobiltelefon-Betriebssystem namens Android zu entwickeln. Wenige Tage später, am 9. November, startete Apple auch in Europa den Vertrieb des ersten iPhones.

2007 startete Rutronik außerdem als offizieller Distributor von Nordic Semiconductor mit der Logistik und der Design-In-Tätigkeit von hocheffizienten 2,4GHz Transceivern und SoCs in großen Teilen Europas.

Am 21. Oktober 2008 wurde Android offiziell vorgestellt. Google hatte die Firma 2005 übernommen. Einen Tag später, am 22. Oktober, gab es mit dem HTC Dream schon das erste Android-basierte Smartphone in den USA zu kaufen.

Bis die ersten Smartphones den nächsten Entwicklungssprung in der Bluetooth-Technologie nutzen konnten dauerte es jedoch noch: Die Spezifikation 4.0 wurde zwar bereits am 17. Dezember 2009 verabschiedet, Anwendung fand sie jedoch erst zwei Jahre später. Das zuvor unter dem Namen "Wibree" entwickelte ULP-Protokoll wurde parallel zum bestehenden Bluetooth-Protokoll implementiert, wobei sich die Technologien jedoch grundsätzlich unterscheiden - angefangen von der Kanalbreite und dem Sprungverhalten über das Advertising bis hin zu den Softwareschichten. Die wohl größte Veränderung war die Möglichkeit, eigene Applikationsprofile erstellen zu können. Im gleichen Jahr erweitere Nordic Semiconductor die Franchise für Rutronik aufgrund hervorragender Leistungen auf ganz Europa.

Im Juni 2011 bereicherte Nordic zeitgleich mit Apple das Board of Directors der Bluetooth SIG und konnte dadurch nochmals verstärkt auf die weitere Entwicklung der BLE Spezifikationen hinwirken.

Am 4. Oktober 2011, einen Tag vor dem Tod des legendären Apple-Mitgründers Steve Jobs, präsentierte Apple-CEO Tim Cook das iPhone 4s der Öffentlichkeit. Viele Nutzer waren enttäuscht, da sich die Neuerungen in Grenzen hielten - obwohl es das erste Smartphone mit Bluetooth low energy war. Trotzdem stellten sich rund 1000 Menschen am Apple-Store in Frankfurt am Main an, um das iPhone 4s zu erwerben. Apple verkaufte innerhalb des ersten Wochenendes vier Millionen Geräte. Durch den Wechsel vom BCM4329-Chip, der im iPhone4 für die Kurzstreckenfunkverbindungen zuständig war, hin zum BCM4330 im iPhone4S, war erstmals der Bluetooth 4.0 Dual Mode - also sowohl klassisches Bluetooth als auch das neue Bluetooth low energy - in einem iPhone verfügbar. Im gleichen Jahr eröffnete Rutronik seine ersten Niederlassungen in Hongkong, China und Taiwan. Gleiches galt auch für Android-Smartphones: Ab der Jelly-Bean-Version 4.3 kam auch in ihnen Bluetooth low energy zum Einsatz. Das erste Android-Smartphone mit Bluetooth low energy war das Motorola Droid Razr, das am 18. Oktober vorgestellt und ab 11. November in den USA verkauft wurde.

Der ungewöhnliche Name für die vierte Generation des OS hängt mit Androids Tradition zusammen, seine Betriebssysteme nach Süßigkeiten zu benennen: Unter dem Markennamen Jelly Belly produziert die US-amerikanische Firma Jelly Belly Candy Company mit Sitz in Fairfield/Kalifornien sogenannte Geleebohnen. Dabei handelt es sich um kleine (pro Stück etwa ein Zentimeter große) Süßwaren in Form von Kidneybohnen.

Für viele aufgrund der vielen Gerüchte im Vorfeld überraschend, stellte Google die dritte und mutmaßlich letzte Jelly Bean-Iteration nicht auf der Google I/O im Mai 2013 vor, sondern auf einem separaten Event am 24. Juli 2013. Der Erfolg der Bluetooth low energy technology war damit nicht mehr aufzuhalten.

2015 investierte Nordic erneut in die Zusammenarbeit mit Rutronik und erweiterte das Vertriebsgebiet auf China. Zeitgleich eröffnete Rutronik die ersten Niederlassungen in Nordamerika. Während die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben wird, bietet Rutronik bereits erste Bluetooth 5.0-Lösungen an. Für die Entwicklung dieser neuen Kurzstreckenfunkgeneration nennt die Bluetooth SIG auf ihrer Homepage* unter anderem namentlich David Engelien-Lopes und Eivind Sjøgren Olsen von Nordic. Rutronik ist stolz, seit zehn Jahren erfolgreich mit dem Pionier globaler Ultra-Low-Power-Kurzstreckenfunkhalbleiter zusammenzuarbeiten und freut sich bereits auf neue Entwicklungen, wie kommende NB-IoT-Halbleiter und ein stetig breiter werdendes Portfolio an Bluetooth low energy Anwendungs-SDKs. Ohne Steve Jobs' Bluetooth low energy -Integration ab dem iPhone 4S und der Android-Jelly-Bean-Integration ab Version 4.3 wäre die Erfolgsgeschichte von Rutronik und Nordic sicherlich nicht ganz so steil verlaufen.

*Quelle: https://www.bluetooth.com/specifications/bluetooth-core-specification/bluetooth5