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Domo arigato Mr. Roboto

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Ungewöhnliche Einsatzgebiete für ungewöhnliche Roboter!

Es ist an der Zeit, dass wir bei Rutronik24 endlich Farbe bekennen und die Wahrheit ansprechen, über die keiner zu sprechen wagt: Die Roboter nehmen uns die Arbeitsplätze weg! Kein Scherz: Die Blechkameraden haben sich von reinen Zuarbeitern ihrer menschlichen Herren im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt – bis hin zur Allzweckwaffe der Industriegesellschaften. Kaum eine Branche kommt ohne Roboter aus. Ja, selbst Tätigkeiten, von denen wir dachten, dass sie niemals durch einen Roboter durchgeführt werden können, erledigen die Automaten mittlerweile spielend.

Wir haben uns ja schon ein bisschen schwergetan, zu verstehen, wozu japanische Grüßaugust-Roboter so gut sind. Jetzt hat uns eine Nachricht wie ein Keulenschlag getroffen: Der Autohersteller Ford setzt bei der Entwicklung von Fahrzeugsitzen künftig ebenfalls einen Roboter mit dem Namen „Robutt“ ein. Abgesehen vom gelungenen Wortspiel (wir bei R24 lieben Wortspiele ja!) ist das eine niederschmetternde Nachricht: Der Robutt verfügt über verschiedene einprogrammierte Sitzmuster, mit denen er die Positionierung und die Rutschbewegungen eines menschlichen Hinterteils im Fahrzeugsitz simulieren kann. 25.000 Mal innerhalb von drei Wochen nimmt der Roboter im Fahrzeug Platz und bildet so die Belastung eines Sitzes innerhalb von zehn Jahren nach. Ford verspricht sich davon genauere Erkenntnisse über die Belastbarkeit von Materialien und daran anknüpfend verbesserte Fahrzeugsitze.

Immerhin, und das versöhnt uns wieder mit dem Maschinenpopo: In diesem Feld nimmt der Roboter keinem Menschen den Arbeitsplatz weg, denn der Belastungstest wurde zuvor von pneumatisch betriebenen Zylindern erledigt, die sich aber – anders als der Robutt und der menschliche Hintern – nur horizontal oder vertikal bewegen konnten. Die Zylinder sind jetzt also arbeitslos, finden aber sicherlich eine sinnvolle Anschlussverwendung.

Ein anderes Einsatzgebiet für künstliche Hinterteile hat Samsung gefunden: Nachdem Apple sich mit seinem iPhone 6 Plus und #bendgate lächerlich gemacht hatte, wollte der südkoreanische Konkurrent nicht ein ähnliches Fiasko in Kauf nehmen und ließ einen Robo-Hintern entwickeln, der sich auf die Smartphones setzte. Auf diese Weise wollte Samsung sicherstellen, dass sich seine Produkte nicht so verbogen wie die der Konkurrenz. Das gelang: Der Hersteller konnte Hohn und Spott aus dem Weg gehen… zumindest, bis reihenweise Akkus in Flammen aufgingen. Jedenfalls wäre ein Smartphone-Belastungstest sicher auch mit menschlichen Testern möglich gewesen. Und es hätten sich bestimmt genügend Apple-Fans gefunden, die mit Freuden mitgemacht hätten. Überhaupt scheinen Forscher und Hersteller von Robotern vom menschlichen Hinterteil sehr fasziniert: Laborarbeiter des Imperial College in London haben zu Schulungszwecken ein Roboter-Rektum entwickelt, das sich auch durch die 3D-Brille betrachten lässt. Warum auch immer. Wir sind jedenfalls in diesem Fall froh, dass es für diese „Arbeit“ Roboter gibt.

Doch jetzt genug von Hinterteilen. Roboter finden sich auch in anderen, völlig obskuren Bereichen des Lebens. Es gibt zum Beispiel tatsächlich einen digitalen buddhistischen Mönch. Das von einer japanischen Firma (klar, wo sonst?) entwickelte Modell hört auf den Namen Pepper und ist 120 Zentimeter groß. Sein eigentlicher Job war das Servieren von Sushi und Kunden bei Bankgeschäften zu helfen. Inzwischen kann man Pepper allerdings für schlappe 50.000 Yen (rund 400 Euro) als günstige Alternative zu menschlichen Priestern buchen – und zwar für Beerdigungen. Und der Roboter hat einen großen Vorteil gegenüber handelsüblichen Priestern: Er kann die Trauerfeier nach den Riten der vier größten buddhistischen Strömungen abhalten. Aber ob die Gewerkschaft der buddhistischen Mönche über die mechanische Konkurrenz erfreut ist?

Wir jedenfalls bewundern die Menschen in Fernost für ihre ausgefallenen Ideen: Ein koreanisches Baseball-Team, die Hanwha Eagles, setzt auf Roboter-Unterstützung von den Rängen. Und das kam so: Nach einer nicht enden wollenden Niederlagenserie hatten die Eagles Probleme, ihr Stadion voll zu bekommen. So mussten die Spieler vor leeren Rängen ihrem Beruf nachgehen, was die Motivation und die Siegchancen nicht unbedingt gesteigert haben dürfte. Also wurden Roboter auf die Plätze gesetzt und darauf programmiert, zu jubeln, zu singen und La-Ola-Wellen zu starten. Clever auch: Fans, die nicht selbst zum Spiel kommen wollen oder können, haben damit die Möglichkeit, ihr Gesicht auf die Roboter im Stadion zu projizieren. Klingt eigentlich ganz charmant: Support für das Team ohne Schlägereien oder Pöbeleien. Könnte man glatt mal im Fußball probieren. Und da Fan-Dasein keine Arbeit ist, nehmen die Plastikfans auch niemandem den Arbeitsplatz weg.

Zur Weihnachtszeit könnte die aktuelle Technik aber vielleicht die Oma überflüssig machen, die zumindest in unserer Familie immer noch als Head of Plätzchen-Management zuständig ist: Die süßen Gebäckstücke kann man nämlich schon seit einigen Jährchen auch direkt mit einem 3D-Drucker herstellen – in allen Formen, Farben und Größen. Ob sich das aber durchsetzen wird? Wer bringt es schon übers Herz, der Oma zu erzählen, dass ihren Job jetzt ein Roboter macht? Eben!

Derlei Geschichten gibt es noch viele mehr, aber unser Robo-Chef hat uns gerade angewiesen, zum Ende zu kommen und uns noch auf einen leckeren Schluck Motoröl in die Werkstatt eingeladen. Wir jedenfalls sind froh, dass wir als Schreiberlinge noch nicht durch Roboter ersetzt wurden. Oder?