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Es werde Licht

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Es ist offiziell Winterzeit. Durch die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit haben wir eine Stunde Schlaf gewonnen – wenn auch ärgerlicherweise am Wochenende, was uns Arbeitnehmern leider nullkommagarnix bringt. Gleichzeitig wird es abends eine Stunde früher dunkel, obwohl die Tage eh schon kürzer werden. Für die meisten von uns heißt das: Im Dunkeln zur Arbeit, im Dunkeln nach Hause. Das schlägt auf die Stimmung. Und müde macht das trübe Licht obendrein.

Die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit ist seit ihrer Einführung 1980 umstritten: Während viele Länder der damaligen Europäischen Gemeinschaft im Zuge der Ölkrise 1973 bereits die Sommerzeit einführten, um Energie einzusparen, zogen Bundesrepublik und DDR erst 1980 nach. Der Grund: Neben der Mauer sollte nicht noch eine Zeitgrenze das geteilte Deutschland spalten. Trotz Drängens der Bundesrepublik kam die DDR-Führung dem Wunsch nach Einführung der Sommerzeit lange nicht nach – bis sie 1979 urplötzlich verkündete, im April 1980 ihrer „Verantwortung als bedeutendes Transitland“ (Wolfgang Rauchfuß, Minister für Materialwirtschaft) gerecht werden und die Zeitumstellung mitmachen zu wollen.

In aller Eile zogen man in Westdeutschland nach – inklusive des zu erwartenden logistischen Chaos‘: Die Bundesbahn musste zehntausende Fahrpläne neu drucken und über 80.000 Uhren in den Bahnhöfen fristgerecht umstellen lassen. Obwohl die deutsche Einheit zumindest auf dem Zifferblatt damit hergestellt war, bleibt die Zeitumstellung ein Zankapfel. Eine kurze Google-Suche fördert unzählige Petitionen, Websites, Facebook-Gruppen und ein Positionspapier der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag von Anfang 2017 zutage, die allesamt für die Abschaffung eintreten.

Doch allen Diskussionen über das Für und Wider, allen Studien zum Nutzen oder Unsinn der Zeitumstellung zum Trotz: Es ist dunkel, es ist kalt, wir sind müde – und damit anfälliger für Depressionen, Krankheiten und sind generell weniger leistungsfähig. Daher befassen sich Forscher und Architekten seit Jahren mit der Frage, wie man Licht so einsetzen kann, dass den negativen Auswirkungen auf den Menschen möglichst effizient gegengesteuert werden kann.

Das gilt für das Büro, wo der richtige Lichtton dafür sorgen soll, dass Mitarbeiter weniger schnell müde werden. Das gilt auch für Smartphones, die sich dem Umgebungslicht anpassen und abends den Blauanteil reduzieren, um die Nutzer nicht wachzuhalten. Gebäude werden durch Lichtdesign im wahrsten Sinne des Wortes ins richtige Licht gerückt, Fußgänger werden durch illuminierte Gehwege an die Hand genommen und geleitet.

Und mit der richtigen Dosis künstliches Licht können sogar die Versorgungsprobleme künftiger Megacities gelöst werden: Horticulture Lighting heißt die Technik, mit der Pflanzen schneller und gezielter wachsen sollen. . Werden beispielsweise Tomaten mit roten LEDs mit einer Wellenlänge von 660 Nanometern beleuchtet, hat dies einen positiven Einfluss auf die Anzahl der Früchte. Dagegen führt eine Beleuchtung von Gurken mit blauem Licht von 455 Nanometern zu geringerem Wachstum, während eine ebenfalls blaue Wellenlänge von 470 Nanometern  die Blattfläche der Pflanzen vergrößert und für eine frische und trockene Biomasse sorgt.

Kurz: Mit der richtigen Lichtdosis wird der winterliche Aufenthalt im Büro zum Urlaub in der Südsee: Palmen wachsen, Kokosnüsse reifen, wir werden beim Arbeiten braun und auf dem Boden liegt Sand statt Teppichboden. Über die Lautsprecheranlage ertönt Meeresrauschen, untermalt mit sanfter Musik. Mitarbeiterzufriedenheit kann so einfach zu erreichen sein – und dann kann auch die leidige Zeitumstellung da bleiben, wo keine Sonne mehr scheint…