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Das fliegende Auge

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Roboter werden in allen möglichen und unmöglichen Bereichen eingesetzt – das haben Sie ja bestimmt in der letzten Ausgabe unseres Newsletters gelesen. Sie stehen ihren menschlichen Schöpfern zu Land und zu Wasser zur Seite – ob sie nun Autositze testen oder Fans bei einem Basketballspiel simulieren. Einen Aspekt haben wir dabei aber noch nicht beleuchtet: Roboter fühlen sich auch in der Luft zuhause – und erfüllen als Drohnen ganz unterschiedliche Aufgaben.

Wer an Drohnen denkt, denkt automatisch auch an ihren militärischen Einsatz: In den Krisengebieten dieser Welt kommen unbemannte Flugobjekte schon seit mehr als einem Jahrzehnt zum Einsatz: Zunächst unbewaffnet als Aufklärer, mittlerweile als waffenstarrende Angriffsplattform. Doch darum soll es in unserer heutigen Ausgabe nicht gehen. Wir bei Rutronik24 finden es viel spannender, in welchen Bereichen die flexiblen Helferlein dazu beitragen, mit großer Effizienz Leben zu retten statt sie auszulöschen.

Ganz konkret tragen Drohnen beispielsweise in Ruanda zur Verbesserung der medizinischen Lage bei: Seit eineinhalb Jahren liefern dort mechanische Arbeitsbienen des Unternehmens Zipline Blut- und Plasmakonserven an zwölf Krankenhäuser im ganzen Land. Damit trägt der Service dazu bei, die Müttersterblichkeit sowie eine durch Malaria ausgelöste Blutarmut zu verringern. Die Kosten gegenüber einem herkömmlichen Transport mit dem Auto sind in etwa gleich – die Lieferung erfolgt mit etwa 45 Minuten allerdings deutlich schneller als über die Straße. Auf diesem Weg würde es vier Stunden dauern, bis das Blut an seinem Bestimmungsort wäre – in kritischen Fällen wäre es dann schon zu spät. Die Bestellung geben Ärzte per WhatsApp auf, die Drohne wirft ihre Fracht dann per Fallschirm am Ziel ab. Das funktioniert so gut, dass Zipline demnächst nach Tansania expandieren will.

Auch in den USA steigen die Zustimmungswerte zu den Quadrokoptern ebenfalls – und das, ohne dass sich die Drohnen ständig selbst für ihre Glanzleistungen über Twitter loben müssten. Seit 2009 haben laut Anbieter Dronefly 347 öffentliche Dienststellen Drohnen zur Unterstützung für verschiedene Szenarien angekauft – darunter 69 Feuerwachen. Im August 2017 halfen zwei von ihnen dem Los Angeles Fire Department bei der Brandbekämpfung. Die erste filmte mit ihren Kameras die Schäden, die der Flächenbrand ausgelöst hatte und ermöglichte es, den genauen Weg der Feuersbrunst zu verfolgen. Die zweite Drohne ermittelte mit Infrarot-Kameras verbliebene Brandherde, die dann von den Feuerwehrleuten gezielt gelöscht werden konnten.

Zur gleichen Zeit halfen die fliegenden Augen auch bei der ersten Einschätzung der Schäden, die Hurrikan Harvey in Texas angerichtet hatte. Aber auch private Öl- und Gasfirmen nutzen die Drohnen, um ihre Einrichtungen, Stromleitungen und Treibstofftanks aus der Luft zu überwachen. Die Einsatzmöglichkeiten sind also vielfältig. Trotzdem: Nicht jedermann darf mit seiner Drohne in den USA durch die Lüfte juckeln, wie er lustig ist. Abgesehen von der erforderlichen Pilotenlizenz, von denen Stand August 2017 bereits über 20.000 ausgestellt wurden, unterliegt der Einsatz kleiner Drohen (ab einem Gewicht von 250g) strengen Einschränkungen. Sie müssen unterhalb von 120 Metern Höhe fliegen, sich immer in Sichtweite des Piloten befinden und dürfen keine größeren Menschenmengen überfliegen. Doch trotz dieser Einschränkungen lohnt der Einsatz der Multikopter. Sie sind doch ein paar Dollar billiger als Helikopter und benötigen keinen Piloten an Bord – die negativen Auswirkungen für Public Relations sind also deutlich geringer einzuschätzen.

Zugegeben: Nicht immer dienen Drohnen solch erhabenen Zielen. Es gibt auch deutlich profanere Nutzungsmöglichkeiten. Professor John Church von der Thompson-Rivers-Universität in British Columbia, Kanada sah Kinder mit einer Drohne spielen und dachte sofort an - Rindviecher. Weil geschätzte 15 Prozent aller Kühe mit Einbruch des Winters nicht mehr zu ihrer Herde zurückkehren und GPS-Halsbänder deutlich teurer sind, begann er, mit Drohnen nach den vermissten Tieren zu suchen. Trotz der Einschränkungen hinsichtlich Batterielaufzeit offenbar so erfolgreich, dass er mit Ranchern und Forschern an einer Antenne forscht, die auf eine Drohne montiert werden und Signale aus RFID-Chips, mit denen die Kühe versehen werden, empfangen kann. Und es kommt noch besser: Church hat die Drohnen auch erfolgreich als Hütehunde eingesetzt, quasi als fliegenden Border Collie. Ob er die fliegenden Helfer auch mit Lautsprechern ausgestattet hat, die wie ein echter Hund „Wuff“ machen, ist nicht bekannt.

Natürlich müssen sich Drohnen, wie auch autonome Autos oder Roboter am Boden, in sportlichen Wettkämpfen miteinander messen: Was den Robo-Enthusiasten die Fußballmeisterschaften mit Blechkameraden, ist für die fliegende Fraktion die US-Drohnenrennmeisterschaft. Dabei tragen die menschlichen Piloten Brillen, mit denen sie den Weg der Drohne aus der Ich-Perspektive verfolgen. Die Qualifikationsrennen finden meist in Kooperation mit Universitäten ab; die Ausrichter erhoffen sich zusätzlich zum Spaß an der Sache auch wissenschaftliche Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Technologie.

Immer noch nicht ungewöhnlich genug? Nicht auf dem Level buddhistischer Gebets-Roboter? Na gut! In Las Vegas liefern Drohnen als fliegende Butler Champagnerflaschen direkt an den Pool. Und in Alamo, Texas, hat ein junger Mann seinen fliegenden Kameraden dazu eingesetzt, seiner Angebeteten beim Heiratsantrag den Verlobungsring zu überreichen. Während die Drohne also majestätisch und erhaben vom Himmel schwebte, fiel der Bräutigam in spe auf die Knie und stellte seiner Herzensdame die Frage aller Fragen. Zum Glück für ihn war sie wohl ein ebenso großer Nerd wie er – sie nahm den Antrag an. Und wenn sie nicht inzwischen per Drohne die Scheidungspapiere eingereicht haben, so leben sie heute noch glücklich und zufrieden bis ans Ende aller Tage.